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Celle Stadt "Soundtrack" seines Lebens
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Soundtrack" seines Lebens
14:25 30.09.2016
Von Jürgen Poestges
Dietmar Borchert auf der Bühne: Für BaRocktail im Jahr 2008 steuerte er den Song „Time runs“ bei. Jetzt hat der 68-Jährige sein Musiker-Leben in einem Buch verewigt. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Borchert, Jahrgang 1948, nimmt sich sehr zurück, wenn er über sein Buch erzählt. „Ich bin sicherlich kein besonderer Mensch“, sagt er. „Ich glaube aber, dass jedes Leben berichtenswert ist. Denn jeder Mensch ist etwas Besonderes.“ In „Soundtrack“ geht es um seine Lebensgeschichte. Und die dreht sich praktisch seit seiner Geburt um Musik. Es begann mit der Mutter, die „eigentlich vom ersten Tag mit mir gesungen hat“. Zunächst hat sie nur vorgesungen, aber bald ist Klein-Dietmar mit eingestiegen. „Da habe ich sehr früh ein Gefühl dafür bekommen, wie man eine Zweitstimme einsetzt, um ein Lied noch klangvoller zu machen. Davon zehre ich noch heute.“

Denn die große Liebe des Musikers aus Eversen ist der mehrstimmige Gesang. Damit verbindet er seine intensivsten musikalischen Erinnerungen. Und es gehört zu den bewegendsten Momenten beim Lesen, wenn Borchert beschreibt, welche Glücksgefühle es hervorruft, wenn man mit anderen Musikern gemeinsam auf der Bühne oder im Probenraum steht und ein Musikstück perfekt klingt. Dazu passt auch das erste Treffen mit Heiko Badel, wohl der bekannteste Musiker in Celle bis zu seinem Tod im Jahr 2011. Wie sollte es anders sein: „Seven Bridges Road“ von den Eagles ist eines der schönsten mehrstimmigen Stücke der Rock-Geschichte, und über diesen Song fanden die beiden zusammen. Seine bis heute bestehende Freundschaft mit Lainel, der eigentlich Rainer heißt, entwickelte sich ebenfalls in dieser Zeit.

Sie waren auch verantwortlich für „Time runs“, einer der Höhepunkte des Projektes „BaRocktail“ im Jahr 2008. Die Proben dazu nehmen einen großen Teil von Borcherts Buch ein.

Seine Lebensgeschichte bildet dabei praktisch nur den Rahmen. Die Zeit mit seinen Eltern zu Beginn der 60er Jahre in den USA - letztlich prägend für seine spätere Musiker-Karriere. Einsame Stunden im Internat, die Heirat mit seiner Jutta, die Geburt der beiden Kinder, die Rückkehr in die USA mit der Familie - einige Einblicke in seine Biografie gibt er dann doch. Aber die Musik spielt die Hauptrolle - das Kommen und Gehen von musikalischen Weggefährten, das Proben mit Bands, die sich irgendwann wieder auflösten. Von der Schüler-Band „Euphoria“ bis hin zu „Chardonnay 2.0“ und die Celler Rockmusik-Initiative (Cri), die er als „Schmelztiegel“ der Celler Musikszene bezeichnet.

„Soundtrack“ sollte eigentlich den Titel „Time runs“ tragen. „Aber es gibt einen Roman einer amerikanischen Autorin, der diesen Titel trägt. Da wollten mein Verleger und ich Lizenz-Probleme vermeiden“, erklärt Borchert.

Es ist ein Buch, dass am Beispiel des „Provinzmuckers“ Musikgeschichte repräsentiert. Die frühen 60er in den USA, das Auftauchen der Beatles, der „Hausband“ von Borchert, bis hin zu Shakira in den 2000ern haben unser aller Leben beeinflusst. Und Dietmar Borchert beschreibt es in seinem Buch hautnah. Nicht nur deshalb ist es absolut lesenswert.