Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt "Sozialfall" Altstadt verhindern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Sozialfall" Altstadt verhindern
14:59 05.09.2013
Von Oliver Gatz
Was ist zu tun, um die Celler Altstadt attraktiv zu machen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Der frühere Stadtdenkmalpfleger Eckart Rüsch galt als Hardliner – als einer, der kaum Kompromisse einging und es den Investoren in der Altstadt schwer machte. Mit seinem Nachfolger Gisbert Knipscheer hat sich das Verhältnis gebessert. Dies wurde in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses deutlich, in der Knipscheer gegenüber den Politikern seinen gesetzlichen Auftrag verdeutlichte.

"Ich habe vor Ihnen mehr kritischen Stimmen gehört", sagte etwa Torsten Schoeps (WG). Ähnlich äußerte sich Iris Fiss (Unabhängige): "Die Unzufriedenheit ist weniger geworden", stellte sie fest. Gleichwohl höre sie hier und da noch Kritik. Verständnis für Knipscheer zeigte Ernst-Heinrich Ahrens von der Kreishandwerkerschaft: "Sie haben einen sehr schweren Stand. Ihr Vorgänger hat so viel Porzellan zerschlagen." So habe Rüsch kurzerhand Baustellen stillgelegt, was zu großem Unmut bei den Investoren geführt hätte.

Doch nach wie vor gibt es Unstimmingkeiten. So sprach IHK-Geschäftsstellenleiter Michael Wilkens mit Blick auf das Förderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" Schwierigkeiten an, alle Verantwortlichen zügig an einen Tisch zu bekommen und einen Ortstermin mit dem Investor zu vereinbaren. Knipscheer machte deutlich, dass der Sanierungsträger GOS bei Bauvorhaben als erster Ansprechpartner fungiert. Er habe die Aufgabe, die notwendigen Experten einzubinden und sich mit ihnen abzustimmen – etwa bei Fragen zum Brandschutz.

Michael Bischoff (CDU) wies auf Veränderungen des Einzelhandels in den Innenstädten hin, bedingt durch die Mobilität der Menschen, durch Großmärkte am Stadtrand, durch Outlet-Center und den immer stärker werdenden Internet-Handel. "Ich glaube, wir täten gut daran, auf Landes- und Bundesebene zu prüfen, inwieweit das Denkmalschutzgesetz noch zeitgemäß ist." Breche der Handel Stück für Stück ein, würden die denkmalgeschützten Gebäude zum „öffentlichen Sozialfall". Deshalb plädierte Bischoff dafür, die restriktiven Denkmalschutzvorgaben zu lockern.

Solche Überlegung gebe es bereits bei der niedersächsischen Denkmalschutzbehörde in Hannover, sagte Knipscheer. Dort mache man sich Gedanken über eine Ausdünnung der umfangreichen Denkmal-Liste. Doch das könne nur nach bestimmten Kriterien erfolgen und würde noch einige Zeit dauern, so Knipscheer, der davon überzeugt ist, dass die Altstadt Celles Kapital ist.