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Celle Stadt Spannungsgeladene musikalische Hörspiele
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Spannungsgeladene musikalische Hörspiele
12:34 05.02.2014
Der Bassbariton Sönke Tams Freier (rechts) und Henning Lucius begleitend am Klavier hinterließen beim Celler Publikum einen nachhaltigen Eindruck. Quelle: Alex Sorokin
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Und ganz im Sinne einer Heine-Textzeile („Mein Herz gleicht ganz dem Meere, hat Sturm und Ebb’ und Flut“) war das Konzert von unterschiedlichsten Stimmungen zwischen himmelhoch jauchzend (Goethe: „Welch Glück, geliebt zu werden“) und zu Tode betrübt (Heine: „Und ach, ich kann’s nicht glauben, dass ich dich verloren hab’“) durchflutet. Freier wusste die mal sehnsuchtsvollen, mal dramatischen Emotionen mit einem Höchstmaß an Emphase und subtilen dynamischen Schattierungen zum Ausdruck zu bringen. Etwa bei Goethes „Klagelied des Schäfers“, der die schönsten Wiesenblumen pflückt, „ohne zu wissen, wem ich sie geben soll“. Oder bei Heines verlassenem Protagonisten, dessen Herz „bricht und zuckt und verblutet, du aber siehst es nicht“.

Durch die beeindruckende Einheit aus Musikalität, Textdeutung und adäquatem Stimmcharakter, mit der Freier die versteckten Nuancen sehnsuchts- und schmerzvoller Affekte ebenso offenzulegen verstand, wie er die Schönheit träumerischer Melodie auszukosten wusste, geriet das Wechselbad der Gefühle zu einer Folge spannungsgeladener musikalischer Hörspiele, in denen hinter kantablem Wohllaut das ganze seelische Spektrum der Gedichte ausgelotet wurde. Und Lucius untermalte mit sinnreicher Dynamik die Aktionen des Sängers, federte ihn ab oder unterstrich die Stimmung mit bisweilen wildem Klaviertremolo: „Das Dämonische macht einfach Spaß“, sagte er augenzwinkernd zu Busonis Goethe-Liedern. In der Tat: Aus ihrer Freude am musikalischen Gestalten machten beide Interpreten kein Hehl. Und der langanhaltende Beifall des Publikums am Schluss zeigte, wie gut sie damit angekommen waren.

Von Rolf-Dieter Diehl