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Celle Stadt Spiel von Statik und Dynamik: Fotografie und Skulptur im Dialog
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Spiel von Statik und Dynamik: Fotografie und Skulptur im Dialog
22:03 31.08.2010
Norbert Diemert mit den Skulpturen „Balance“ (links) und „Narziss“ vor zwei seiner „Gesichtslandschaften“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Nichts gegen ein klassisches Porträt nach allen Regeln der Kunst, doch der gekonnte Bruch mit den traditionellen Gestaltungsregeln bekommt vielen Fotos ausnehmend gut. Kreative Fotografen spielen mit Posen und Perspektiven, Bildausschnitten und Beleuchtung. Auch Norbert Diemert, dessen Porträts die Topografie von intimen „Gesichtslandschaften“ zeigen. Indem er seine Kamera sehr dicht an sein Gegenüber heranführt, erforscht der Celler Künstler dessen einzigartige Gesichtsgestalt aus Augen, Stirn, Wangen und Kinn, in der die Persönlichkeit mit allen Gebrauchs- und Verbrauchsspuren Form und Tiefe gewinnt. Die Gesichter werden zu stehenden Landschaften, in denen der Blick des Betrachters auf staunende Wanderschaft geht und dabei auf fein geschwungene Hügel, zerklüftete Berghänge und geheimnisvolle Höhlen stößt.

17 seiner Fotografien sind derzeit im Atelier 22 zu sehen. In seiner Ausstellung „Die Form im Kopf“ zeigt er neben diesen Gesichtslandschaften noch 27 Skulpturen, überwiegend aus Marmor, gefertigt in einer organisch-abstrakten Formensprache, die eine Vitalität von innen impliziert. Die ästhetischen Arbeiten mit Titeln wie „Übermut“ oder „Scheinheilig“ präsentieren sich im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Surrealismus. Fast scheint es, als habe die investierte Kraft des Künstlers die glatt geschliffenen Steine belebt. Ihre Spannung und Lebendigkeit beziehen sie aus dem Wechselspiel zwischen Anmut und Eleganz sowie der darstellerischen Kraft ihrer organischen Formen. Unwillkürlich entsteht der Wunsch des Betrachters, ihre Oberflächen zu berühren und ihrem Spiel von Statik und Dynamik nachzuspüren. Und während er sich um die Skulptur herumbewegt, schickt sie ihn auf Entdeckungsreise und verwickelt ihn dabei in einen Dialog zwischen dem heraus gemeißelten Wesen der Figur und der ihr innewohnenden Botschaft des Künstlers.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung im Atelier 22, Bahnhofstraße 21, ist bis zum 22. September zu sehen. Mittwochs bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 17 Uhr.

Von Rolf-Dieter Diehl