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Celle Stadt Spitzenleute von SPD und CDU heben sich von anderen Celler Kandidaten deutlich ab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Spitzenleute von SPD und CDU heben sich von anderen Celler Kandidaten deutlich ab
11:39 13.09.2013
Von Andreas Babel
Frank Walter aus Hermannsburg wollte wissen, wie groß die Ersparnis pro Kilowattstunde Strom sein wird, wenn die - EEG-Umlage zurückgenommen wird. Quelle: Alex Sorokin (6)
Celle Stadt

Die Sitzplätze im Europasaal waren nahezu allesamt gefüllt, einige Zuhörer standen. Die Podiumsdiskussion der Celleschen Zeitung am Mittwochabend war mit 700 Interessierten sehr gut besucht. Das Aufeinandertreffen der fünf Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien zog viele an, auch wenn sicher ein Drittel der Besucher dem aktiven Kern der Parteien zuzurechnen ist.

Das Publikum erlebte in gut zwei Stunden fünf sehr unterschiedliche Kandidaten: Ralf Überheim (FDP) hat das Manko, nicht auf den Punkt zu kommen. Er überzog seine Redebeiträge nahezu jedes Mal. Der Grüne Bernd Ebeling sollte sich nach diesem Abend überlegen, ob er sich nicht besser weiter nur als Umwelt-Aktivist einbringen will. Denn als Redner ist er nicht zu gebrauchen. Sendungsbewusstsein allein reicht nicht – man muss Menschen mit stichhaltigen Argumenten auch überzeugen können.

Rhetorisch noch schlechter präsentierte sich Behiye Uca (Die Linke). Auch sie hat sicherlich die besten Absichten, doch als Politikerin, die in den Bundestag will, sollte man auch frei reden können und nicht nur vorformulierte Texte ablesen.

So verwundert es nicht, wenn diese drei Kandidaten bei einer Probeabstimmung nur wenige Stimmen erhielten. Fast die Hälfte der Anwesenden füllte CZ-Stimmzettel aus, auf denen man auch die drei Direktkandidaten jener Parteien ankreuzen konnte, die nicht im Bundestag vertreten sind. Von diesen erhielt aber nur Thomas Ehrhorn (AfD) Stimmen. Er kam auf einen Anteil von 0,7 Prozent.

Bleiben noch die beiden Hauptprotagonisten dieses Abend – jene beiden, die schon mit allen Wassern gewaschene Bundestags-Politiker sind; die beiden, die als einzige aus dem Wahlkreis Celle-Uelzen eine Chance haben, auch nach dem 22. September im höchsten deutschen politischen Gremium vertreten zu sein: Kirsten Lühmann (SPD) und Henning Otte (CDU).

Nur mit einer Stimme Unterschied entschied die Sozialdemokratin die Testwahl für sich. Beim mehrfach spontan aufbrausenden Applaus hatte aber Henning Otte die Nase gefühlt leicht vorn. Die beiden Politiker aus dem Nordkreis kennen sich gut – ob sie indes in der neuen Legislaturperiode eventuell in einer Großen Koalition zum Wohle unseres Staates zusammenarbeiten könnten, ist fraglich. Denn Otte griff Lühmann zum Beispiel scharf an, indem er der einstigen Polizeibeamtin vorwarf, ihren ehemaligen Kollegen in den Rücken zu fallen – denn die Datenvorratsspeicherung schütze in erster Linie gerade Polizisten, meinte Otte. Lühmann konterte, dass Otte sie „bewusst falsch verstehen“ wolle.

Vorratsdatenspeicherung: Bernd Ebeling berichtete zu diesem Thema von seinen Erfahrungen als Gorleben-Gegner. Er ist sich sicher, dass Handys abgehört und Computer beobachtet wurden, so dass er während Demonstrationen gefilmt und sogar von einem Hubschrauber verfolgt worden sei. Lühmann versuchte ihn zu beruhigen: „Ich bin mir sicher, Sie sind nicht abgehört und auch nicht gefilmt worden.“ So etwas sei in Deutschland nicht möglich, sondern von Gerichten verboten worden. „Wir wissen gar nichts“, meinte Überheim zu dieser Thematik: „Wir sprechen, wenn wir über Snowden reden, über Dinge, die wir gar nicht beurteilen können.“ Er lehnte aber „eine bedingungslose Vorratsspeicherung ab“, auch wenn er wisse, dass die FDP mit dieser Meinung allein dastehe.

„Vorratsdatenspeicherung in der Menge ist nicht nötig“, meinte Lühmann. „Mir ist eine Aufzeichnung zuviel, die dann gelöscht wird, lieber, als eine zu wenig und es passiert etwas“, sagte Otte. „Ich gehe davon aus, dass sämtliche Gespräche deutscher Bürger nach wie vor abgehört werden“, so Uca. Aus ihren Worten war herauszuhören, dass sie ein solches Vorgehen kategorisch ablehnt.

Verkehrswege: Wie wenig konkret Bundestagsentscheidungen für den Celler Raum sind, wurde bei der Diskussion über die Ostumgehung und die Aller als Bundeswasserstraße deutlich. Überheim hofft, dass die Gerichte über die Einsprüche gegen den dritten Bauabschnitt der Ostumgehung, die Aller-Querung, schnell entscheiden. „Wenn wir den dritten Bauabschnitt nicht bauen können, dann dauert es noch mal 60 Jahre, bis der Rest fertig gebaut wird“, so der Liberale.

Ebeling meinte, dass 80 bis 90 Prozent der Fahrzeuge auf Celler Straßen „der eigene, innerstädtische Verkehr“ seien. „Ich setze mich für eine Bemautung von Lkw auf der B 214, der B 3 und der B 191 ein.“ Er schlug vor, den fünften Bauabschnitt der Umgehungsstraße bei Groß Hehlen vorzuziehen. „Das würde für den nördlichen Bereich von Celle einigermaßen für Entlastung sorgen“, so Ebeling.

„Wir sind ja gegen den ganzen Straßenausbau. Wir sollten auch die Nordwall-Geschichte abhaken“, meinte Uca. Der Linken wurde aus dem Publikum entgegengerufen, dass das keine Sache des Bundes sei. „Ich fordere die Kläger auf, die Klage zurückzuziehen“, wurde Otte bezüglich des dritten Bauabschnitts konkret. „Die Menschen warten sehnlich auf die Allerquerung.“

Energiewende: „Der Basisverbrauch muss für alle finanzierbar sein“, sagte Uca zu den finanziellen Auswirkungen der Energiewende: „Ich schlage eine Abwrackprämie für Haushaltsgeräte vor, die zu viel verbrauchen.“ Otte kritisierte die SPD. Diese habe beim vorgezogenen Ausstieg aus der Atomenergie so reagiert: „Wir steigen aus, Juchhe“ und hätten im Kreis getanzt, polemisierte Otte. Die CDU habe hingegen erkannt, dass die Energiewende „eine nationale Aufgabe“ sei, an der sich alle zu beteiligen hätten. Lühmanns Entgegnung, dass die EEG-Umlage nicht einem „Ringelreihen-Tanzen“ entsprungen sei, fehlte die nötige Kraft. Lühmann meinte aber, dass die EEG-Umlage auf jeden Fall an die jetzigen Gegebenheiten angepasst werden müsse. „Die Energiewende der Bundesregierung existiert nicht. Die Wirtschaft fühlt sich alleine gelassen“, meinte die SPD-Politikerin.

Sicherheitspolitik: „Unsere Soldaten haben den Anspruch auf bestes Gerät und beste Schutzausstattung“, sagte Henning Otte: „Ich habe dazu beigetragen, dass alle drei Bundeswehr-Standorte erhalten werden konnten. Ich glaube, das ist etwas sehr Einmaliges.“ Dem konnte auch Lühmann nicht widersprechen. Sie verwies nur auf Meinungsunterschiede zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD: „Es ist eben fraglich, welche Staaten man als stabil bezeichnen kann, denen man dann Waffen liefern darf.“