Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Sprache, Werte, Mülltrennung: Flüchtlinge lernen in Celle deutschen Alltag kennen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sprache, Werte, Mülltrennung: Flüchtlinge lernen in Celle deutschen Alltag kennen
05:32 17.02.2018
Welche Tonne ist die richtige? Dagmar Schmiedner vom Zweckverband Abfallwirtschaft Celle (Dritte von links) weiß Bescheid. Daneben (Zweite von rechts) Dozentin Sabrina Edler mit den Teilnehmern des Erstorientierungskurses. Quelle: Malteser
Celle Stadt

"Das ist für mich neu. Sowas kenne ich gar nicht", sagt Adoul Alhaskan. Die 32-jährige Frau stammt ursprünglich aus dem Irak und nimmt am Erstorientierungskursus für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive teil. "Das ist ein ganz wichtiges Projekt", sagt Dozentin Sabrina Edler, die den Kursus der Celler Malteser leitet. Zusammen mit einigen Teilnehmern hat Edler nun den Zweckverband Abfallwirtschaft in Celle besucht.

"In meiner Heimat haben wird den Müll auf einem Haufen gesammelt", sagt Jamila Muhammad. Dann habe man diesen Berg verbrannt. Doch dass Müll nicht einfach nur Müll ist, haben die Zweckverband-Sprecherin Dagmar Schmiedner und ihre Kollegin Jasmin Walter, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft direkt auf dem Betriebsgelände gezeigt. "Abfall kann einen Wert haben", sagt Jasmin Walter. Denn als Kompost finde er seinen Weg zurück in die Gärten oder werde als Elektroschrott recycelt. "So werden wertvolle Ressourcen gespart", ergänzt Schmiedner.

Gekleidet in orangefarbenen Warnwesten haben sich die Geflüchteten angeschaut, wo er Abfall landet, wenn er von den Experten entsorgt wird. Stolz macht Jamila Muhammad Fotos von den anderen Gruppenmitgliedern. "Es ist toll zu sehen, wie die Gruppe wächst und komplett mitzieht", erzählt Edler. In der Theorie hatte die Dozentin schon vorher die Geheimnisse der gelben, blauen und grauen Tonne gelüftet.

Seit August 2017 führen die Malteser in Celle im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Erstorientierungskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive durch. „Damit möchte man auch denjenigen, die noch keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben, dennoch aber für eine ganze Zeit in Deutschland leben, Informationen zu Deutschland und erste Deutschkenntnisse für den Alltag vermitteln“, erklärt Anke Bieler, Projektkoordinatorin der Malteser für Erstorientierungskurse in Niedersachsen. Der Fokus dieser Kurse liege auf der Vermittlung von Werten und Gepflogenheiten in Deutschland.

In 300 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten befassen sich die Asylbewerber in sechs Modulen zum Beispiel mit dem Thema „Werte und Zusammenleben“ oder erfahren, welchen Stellenwert „Gesundheit und medizinische Versorgung“ in Deutschland haben. Erste Hilfe sei ein Thema, dass von besonderer Wichtigkeit sei, sagt Projektkoordinatorin Bieler. "Diese Menschen haben auf ihrer Flucht viel erlebt." Voller Eifer sind die Teilnehmer dabei, als es darum geht, Verbände zu wechseln oder den Rettungsgriff zu üben. "Hallo, hallo", ruft der Mann, der aus dem Irak geflüchtet ist, und rüttelt an der Schulter seines Nebenmanns. Diesmal steht die stabile Seitenlage auf dem Programm. Schon bekommt er Tipps von den anderen Teilnehmern. "Atem", ruft jemand aus dem Stuhlkreis – und schon zeigt der Iraker sein Können am Patienten.

"Wir arbeiten viel mit Bildern", sagt Edler und deutet auf eine Zeichnung des menschlichen Köpers. Die Kommunikation erfolge aber auch per Hand und Fuß. Unterrichtet wird montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr in der Dienststelle der Malteser – mit gelegentlichen Ausflügen, „um die lebenspraktischen Inhalte zu betonen“, wie Edler erklärt. Die 32-jährige Dozentin freut sich über die Lernbegeisterung ihrer Schüler. "Man sieht die Fortschritte und sie lernen gerne."

Wenn sich die weißen, weichen Flocken vom Himmel herab gen Erde bewegen, dann ist es für die einen Zauber und für die anderen leiser Schrecken. Schnee legt Zuckerguss über Stadt und Land und den Verkehr im schlimmsten Falle lahm. Diese beiden Facetten des mittlerweile seltenen Besuchers hat das Team des Schlosstheaters im Rahmen ihres Kochstudio-Formats am Donnerstag auf die Bühne des Malersaals gebracht. Poesie und Sachverstand gingen an diesem „Winterreisen im Flachland“ betitelten Abend eine Symbiose ein.

17.02.2018

Sich in öffentlichen Gebäuden zurechtzufinden, ist nicht immer leicht – oft fehlt es an Hilfen und Wegpunkten. Besonders schwierig wird es erst recht für blinde oder sehbehinderte Menschen, wie Werner Gläser vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) weiß. Den ersten Schritt in Richtung Barrierefreiheit hat nun das Allgemeine Krankenhaus (AKH) Celle gemacht. Der Eingangsbereich ist von der Tür bis zum Empfangstresen entsprechend der speziellen Bedürfnissen für Blinde und Sehbehinderte angepasst worden.

16.02.2018

Hellhörig dürfte die Celler Politik geworden sein, als die Stadt jüngst darlegte, welche Folgen es haben wird, wenn die Landesregierung in Hannover die Eltern mit komplett kostenlosen Kita-Plätzen beglücken wird. Am Rande der Ausführungen wurde deutlich: Die Celler Kindergärten sind voll, alle 2392 Plätze in städtischen Einrichtungen und denen der Freien Träger sind belegt. Das Problem: Für 338 Kinder hätten die Eltern noch den Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Doch dem könnte die Stadt im Augenblick nicht entsprechen.

Gunther Meinrenken 16.02.2018