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Celle Stadt Sprache als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sprache als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis
21:28 19.02.2010
Celle Stadt

Nach Angaben der Unesco sind gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. Die Muttersprache stellt für einen Großteil der Menschen ein Zeichen ihrer kulturellen Identität dar. Die Erfahrung, dass die eigene Sprache von immer weniger Menschen gesprochen wird und sich zu einer Minderheitsprache – wenn sie von weniger als 10000 Menschen gesprochen wird – entwickelt, stellt für die Betroffenen einen schmerzlichen Verlust dar.

Ein Grund für das Aussterben der Sprachen ist, dass sie nicht mehr an die nach­folgenden Generationen weitergegeben werden und dadurch in Vergessenheit geraten. Sprachen, die weniger als 100 Menschen sprechen, werden heutzutage noch nicht einmal erfasst und dokumentiert.

Daher hat sich die Unesco entschlossen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Mehrsprachigkeit zu fördern. Der Gedenktag soll die Aufmerksamkeit auf Minderheitensprachen lenken. Zudem stellt die Mehrsprachigkeit einen Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt dar. Aufgrund dessen hat die Unesco auch ein großes Interesse das Angebot an Fremdsprachenunterricht zu unterstützen.

Aus diesem Grund wurden Celler – kurdischer, finnischer und britischer Herkunft – aufgefordert, etwas über die Besonderheiten ihrer Muttersprache zu erzählen. Die drei Befragten beschreiben, wie wichtig es für sie ist, dass sie in ihrer Muttersprache kommunizieren können. Darüber hinaus erklären sie, worin sie die wesentlichen Unterschiede zwischen ihrer Muttersprache und der deutschen Sprache sehen.

Die Kurdin

Für die Kurdin Gevri Yavsan ist die Sprache fürs Zusammenleben von großer Bedeutung: „Sprachen vermitteln viel an Kultur und befähigen Menschen eine Sensibilität für den Umgang mit Sprachen und Kulturen zu entwickeln. Dies ist für das gesellschaftliche Zusammenleben von großer Bedeutung. Der Wunsch der Beibehaltung der eigenen Sprache ist elementarer Natur, denn die Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Ist einmal die Sprache verloren, liegt die Assimilation nicht fern.“

Die Finnin

Die Hambührenerin Anja Stein ist gebürtige Finnin und erklärt, warum ihr die Muttersprache wichtig ist: „Sie ist der Eckstein meiner Identität, der mich am längsten trägt, auch wenn meine Persönlichkeit bricht. Sie ist auch bei jeder Intergration der Schlüssel, der nicht verloren gehen sollte. Die Muttersprache ist die Sprache und die Musik meines Herzens. Der hauptsächliche Unterschied besteht im grammatikalischen Aufbau: Im Finnischen gibt es 15 Fälle, im Deutschen nur vier.“

Der Engländer

Die Muttersprache des Cellers Henry Hinton ist Englisch: „Es ist sehr wichtig für mich, meine Heimatsprache mit Familie und Freunden zu sprechen und Heimatverbunden zu sein. Ich habe immer mit meiner Tochter Englisch gesprochen und jetzt auch mit den Enkeln. Die Aussprache ist anfangs schwierig – Schotten haben es da leichter –  und die Grammatik kompliziert. Als ich vor vielen Jahren nach Celle kam, hatte ich keine Ahnung, wie die deutsche Sprache klingt.“

Von Isabelle Ziesemer