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Celle Stadt Sprachlich-mimische Mimikry
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sprachlich-mimische Mimikry
13:43 13.01.2014
Justus Pahlow gab im Sophien-Stift eine Kostprobe von Siegfried Lenz’ Kurzgeschichten. Quelle: Alex Sorokin
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Zwischen den Textbeiträgen sorgte das Lüneburger Duo Franziska Borderieux (Violoncello) und Elisabeth Bahrdt Klavier) mit Stücken unter anderem von Robert Schumann, Edward Elgar und Fritz Kreisler für musikalische Kontraste. Zwischen „Gnomentanz“ und „Tarantella“ war ihr Spiel von elegant-sachlichem Klangsinn gekennzeichnet.

Pahlow wiederum ließ mit scheinbar grenzenlos wandelbarer Stimme die diversen Feddersens aus Bollerup lebendig werden. Frietjoff zum Beispiel, der beim Genuss seines selbst gebrannten Mirabellenschnapses besonders einfallsreich ist und dabei gelegentlich auch mal auf krummwüchsige Gedanken kommt. Bis ihm der mitten in der Nacht wegen eines „Beinbruchs“ alarmierte Dorfdoktor eine saftige Rechnung präsentiert: Es war ein Tischbein, das unter der Last der Skat dreschenden Stammtischler im „Mühlenkrug“ zusammengebrochen war. Oder Sven, der sich immer erfolgreich gegen heiratswillige Töchter des Dorfes zu behaupten wusste. Bis er einer Frau mit der „Fähigkeit, Unterhaltungen wortlos zu gestalten“, begegnet. Die geplante Hochzeit wird jedoch kurz vor dem Termin wegen des Todes seines Onkels verschoben. Neun Jahre lang. Immer wieder. Als Sven dann bei der endlich stattfindenden Hochzeit nach den Gründen gefragt wird, bekennt er, dass der Keller seines verstorbenen Onkels voller Johannisbeerwein gewesen sei. Und da habe er sich gedacht: So ein Tröpfchen trinkt man besser allein. Heiraten könne er ja immer noch, wenn der Keller leer ist.

Pahlow gelang es auf mitreißende Art, die pittoresken Figuren aus Bollerup gestenreich „vorzuleben“ und quasi in sprachlich-mimischer Mimikry in ihre Haut zu schlüpfen.

Von Rolf-Dieter Diehl