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Celle Stadt "Sprechende Steine" halten Erinnerung lebendig
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Sprechende Steine" halten Erinnerung lebendig
16:58 13.05.2015
Pastor Andreas Seelemeyer von der Markusgemeinde Garßen vor den von ihm initiierten „Sprechenden Steinen“. Quelle: Martina Hancke
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Als Jochen Buchholz aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, hatte er viele Mitgefangene sterben sehen. Er litt darunter, dass sie kaum ein angemessenes Begräbnis bekommen konnten. Gemeinsam mit anderen setzte er sich dafür ein, dass Steinstelen neben der Markuskirche in Garßen aufgestellt und die Namen der Verstorbenen eingraviert wurden. „,Wir müssen etwas machen, damit diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät’, sagte er immer“, erinnert sich seine Witwe.

Der Garßener Pastor Andreas Seelemeyer griff diesen Gedanken auf und startete vor zwei Jahren das Projekt „Sprechende Steine“. Dazu interviewte der Seelsorger Mitbürger des Dorfes zu ihren Erinnerungen an die Kriegszeit. Die Videos sind über einen Link auf der Homepage der Kirche – www.markus-garssen.de – zu sehen. Aber auch an den Gedenkstelen befinden sich Schilder mit Barcodes, die per Handy gescannt werden können.

„Auf diese Weise sollen auch junge Menschen angesprochen werden“, sagt der Theologe. „Zum Volkstrauertag ist deutlich zu sehen, dass es immer weniger Menschen gibt, die eine persönliche Erinnerung oder Verbindung zu den Verstorbenen haben.“

Bisher sind drei Beiträge für das Projekt „Sprechende Steine“ entstanden: Großvater in Gefangenschaft, Flucht aus Ostpreußen, Mein Mann und das Denkmal. „Es wäre schön, wenn sich noch weitere Bürger bereitfänden, über ihre Erfahrungen aus jener Zeit zu berichten und so das Andenken der Verstorbenen – auch für andere – lebendig zu erhalten“, wünscht sich Pastor Seelemeyer. Er erinnert an ein Wort Luthers: Das Leben sei zu kurz, um alle Erfahrungen selbst zu machen. Lernen wir von denen, die bereit sind, uns ihre Erfahrungen weiterzugeben. (mha)

Von Martina Hancke