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Celle Stadt Spurensuche im hölzernen Glockenturm von Altencelle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Spurensuche im hölzernen Glockenturm von Altencelle
13:36 08.06.2012
Von Oliver Gatz
Wann genau ist der hˆlzerne Glockenturm der St. Gertrudenkirche in Altencelle errichtet worden? Dieser Frage wird in K¸rze ein wissenschaftliches Team um den Bauhistoriker Stefan Amt nachgehen. Quelle: Peter M¸ller
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„Der Turm ist bisher nicht eindeutig datiert. In der Literatur sind Annahmen zur Errichtung zu finden, die von ,um 1500' bis ins 17. Jahrhundert reichen – also über ein Spanne von rund 200 Jahren", erläutert Amt, der Denkmalpfleger des katholischen Bistums Hildesheim ist und zusätzlich einen Lehrauftrag an der Uni Braunschweig hat. Eine gravierende Umdatierung erwartet Amt nicht. „Aber lassen wir uns überraschen."

Das wissenschaftliche Team wird unter anderem bauarchäologische Befunde erheben, Plan- und Schriftquellen auswerten und mittels der Methode der Dendrochronologie – also der Untersuchung von Holz – versuchen, eine genauere Datierung der Errichtung des Glockenturms zu ermitteln. Dabei wird Amt etwa drei bis vier Holzproben nehmen und im Anschluss analysieren lassen. Erste Ergebnisse erwartet er in etwa zwei Wochen nach der Untersuchung.

Sollte das Holz gut gewachsen sein, könne man anhand der Baumringe das Fälldatum auf das Halbjahr genau bestimmen, erläutert der Experte aus Hannover. Er geht davon aus, dass das Holz in der damaligen Zeit spätestens ein Jahr nach dem Fällen verarbeitet wurde. Daraus ließen sich sehr genaue Rückschlüsse auf das Datum des Turmbaus ziehen, so Amt.

„Im Gebiet der Lüneburger Heide ist das weitaus dichteste Vorkommen an freistehenden hölzernen Glockentürmen in ganz Deutschland zu finden", sagt der 51-Jährige. Damit stellten sie eine ganz wesentliche architektonische Attraktion dieser Region dar, die – neben dem wissenschaftlichen Interesse – auch einen hohen Wert für den Tourismus haben könnte. „Ein Schatz, der darauf wartet, gehoben zu werden", betont Amt.

Im Rahmen seines privaten Forschungsprojekts hat Amt bereits sechs Glockentürme untersucht, die im Heidekreis stehen. Dabei korrigierte der Bauhistoriker den Erbauungszeitraum zum Teil um mehrere Jahrhunderte. Mit den naturwissenschaftlich abgesicherten Datierungen der Türme von Meinerdingen und Wolterdingen entdeckte er dabei die ältesten Holzgebäude des Heidekreises.

Im gesamten Gebiet der Lüneburger Heide sind noch rund 50 weitere Bauten dieser Art vorhanden. „Auch bei diesen Objekten sind die vorliegenden Datierungen zum allergrößten Teil ebenfalls nicht abgesichert“, meint der Forscher. Nach den Vorrecherchen erwartet Amt ähnliche Umdatierungen wie bei den bisher untersuchten Glockentürmen.