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Celle Stadt Staatssekretär räumt Fachkräftemangel ein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Staatssekretär räumt Fachkräftemangel ein
15:11 12.09.2013
Staatssekretär Ralf Brauksiepe. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Einen akuten Fachkräftemangel konstatierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Ralf Brauksiepe, gestern bei einem Vortrag im „Ringhotel Celler Tor“. Zunächst tat Brauksiepe allerdings das, was jeder gute CDU-Wahlkämpfer wenige Wochen vor der Bundestagswahl macht, er lobte die arbeitsmarktpolitischen Erfolge der Bundesregierung: „Als Angela Merkel ihr Amt als Kanzlerin 2005 antrat, hatten wir über fünf Millionen Arbeitslose. Heute liegen wir deutlich unter drei Millionen. Wir haben heute 42 Millionen Erwerbstätige, 1,5 Millionen Menschen in sozialversicherten Arbeitsverhältnissen mehr als 2005. Das ist ein Rekord, der sich 2013 noch verfestigen wird.“

Und doch bestehe nach wie vor akuter Fachkräftemangel – nicht flächendeckend, sondern in einigen Regionen und Berufsgruppen, meinte der CDU-Politiker. Bislang habe außerdem die durchschnittliche Rentenbezugsdauer 17 Jahre betragen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werde man zukünftig aber selbst bei Erhöhung des Renteneintrittsalters von 20 Jahren Rentenbezugsdauer ausgehen müssen. Dem stehe eine 20-prozentige Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung gegenüber. Diese Menschen ins Berufsleben zu integrieren, sei eine der wichtigsten Aufgaben seiner Ministerin Ursula von der Leyen (CDU), sagte Brauksiepe.

Er nannte fünf Wege zur Vollbeschäftigung. Es gelte, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu erhalten. Dazu seien die Frühverrentungsjahrgänge weitgehend gestoppt worden. „Wenn Menschen immer älter werden, zugleich immer weniger nachrücken, muss sich die Priorität verschieben. Wer 50 Jahre alt ist, muss in der Regel noch 15 Jahre arbeiten.“ Der Staatssekretär verwies außerdem auf die vielen gut qualifizierten Frauen in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen. „Sie in Vollzeitbeschäftigungen zu bringen, bedeutet, drei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu müssen allerdings alle begleitenden Fragen wie Kinderbetreuung abschließend geklärt sein.“

Es gibt nach Brauksiepes Worten außerdem zu viele Schul- und Ausbildungsabbrecher, die sich für einen falschen Beruf entschieden hätten. Sie besser auf das Berufsleben vorzubereiten, sei außerordentlich wichtig. „Es gibt eben nicht nur 50, sondern 300 Berufsgruppen, die auf Nachwuchs warten“, so Brauksiepe.

Auch die berufliche Weiterbildung müsse ausgebaut werden, was auch für ältere Menschen gelte, meinte Brauksiepe. Die Beteiligung an solchen Maßnahmen habe zwar zugenommen, doch hinkten unterdurchschnittlich qualifizierte Kräfte bei der Weiterbildung deutlich hinterher.

Und letztlich sei es wichtig, verstärkt ausländische Qualifikationen von Zuwanderern anzuerkennen, so Brauksiepe. „Es kommt darauf an, was jemand kann, nicht darauf, woher er kommt. Wir müssen den demografischen Wandel nicht beklagen, sondern wir müssen nur das Richtige tun, um die damit einhergehenden Probleme zu lösen und berufliche Perspektiven zu eröffnen“, forderte der Staatssekretär.

Gert Neumann

Von Gert Neumann