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Celle Stadt Stadt Celle legalisiert Brötchen-Verzehr auf Wochenmarkt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle legalisiert Brötchen-Verzehr auf Wochenmarkt
20:50 06.03.2015
Von Michael Ende
Der Biss ins warme Markt-Brötchen könnte schon bald nicht mehr in einer rechtlichen Grauzone stattfinden: Die Stadt will ihn legalisieren. Quelle: Benjamin Westhoff
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Was passieren würde, wenn ein Celler verbotenerweise auf dem Wochenmarkt in ein dort erworbenes Brötchen mit warmem Leberkäse bisse? Dann würde es gemäß der derzeit gültigen Wochenmarktsatzung, die es verbietet, dort warme Speisen zum sofortigen Verzehr anzubieten, Ärger geben, sagt Celles Stadtrat und oberster Ordnungshüter Stephan Kassel. Etwa für den Esser? Kassel schüttelt der Kopf: „Für den Verkäufer.“ Selbst dann, wenn der Brötchen-Käufer zuvor ausdrücklich über das Verzehr-Verbot belehrt worden wäre? Das wäre ja, als wenn der Auto-Verkäufer Ärger bekäme, weil der Autofahrer geblitzt wurde. Kassel winkt ab. Diskussionen wie diese will er nicht führen. Er plädiert für einen „entspannten Umgang“ mit der Materie. Jetzt will er auch die rechtlichen Grundlagen dafür legen.

Der CZ-Bericht über die Celler „Brötchen-Polizei“, die auf dem Markt patrouilliert, hat überregional für Aufsehen gesorgt und Kassel sogar einen Auftritt vor Fernsehkameras beschert. Erster Stadtrat in einer Hochburg provinzieller Kleinkariertheit – so möchte Kassel nicht gesehen werden. Er sagt: „Ich werde vorschlagen, dass das Angebot auf dem Wochenmarkt um warme Getränke und Speisen erweitert werden kann.“ Genau an diesem Punkt sei die Politik im Jahr 2012 auch bereits einmal gewesen – doch dann hätten alle Akteure diesen Aspekt „irgendwie aus den Augen“ verloren.

Die derzeitige Satzung sei nicht „dumm“, sie sei nur „überholt“, meint Kassel: „Das meinen auch die Marktbeschicker, die sich gut vorstellen können, den Markt durch die Erweiterung um ein begrenztes gastronomisches Angebot attraktiver zu gestalten.“ Damit wolle man auch entsprechenden Forderungen der im Stadtrat vorhandenen überfraktionellen „Latte-Macchiato-Gruppe“ nachkommen, so Kassel.

Wortführer dieser Gruppe ist Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel. Er hat bereits, bevor Kassel sich zu Wort gemeldet hat, einen Antrag auf den Weg gebracht: „Das Verbot der Zubereitung und des Verzehrs von Speisen ist aufzuheben. Ein zusätzliches gastronomisches Angebot in Form von Heißgetränken und Imbiss steigert die Attraktivität des Wochenmarktes auf der Stechbahn und Am Markt und erhöht die Verweildauer.“ Außerdem bräuchte man sich dann nicht mehr den Kopf über legale und illegale Brötchen zu zerbrechen, so Zobel: „Ich freue mich schon auf den ersten Espresso auf dem Markt.“

Kassel legt Wert darauf, dass der regionale, authentische Charakter des Marktes gewahrt bleibt: „Wer Märkte in anderen Städten wie etwa Berlin oder die Markthalle in Hannover kennt, die heute Lifestyle-Märkte sind, auf denen Leute mit abgespreiztem kleinen Finger Prosecco schlürfen, der weiß, was ich meine: Wir wollen einen echten Markt behalten – nur eben auch mit einem überschaubaren gastronomischen Angebot.“

Eine Änderung der Marktsatzung solle „so zügig wie möglich“ erfolgen, sagt Kassel: „Damit die Leute in der warmen Jahreszeit dort auch mal einen Kaffee trinken können.“ Ob dann auch gleich die unsinnig-überflüssige Passage, der zufolge man auf dem Celler Markt kein „größeres Vieh“ wie etwa Kühe oder Pferde verkaufen darf, mit eingestampft wird, lässt Kassel offen: „Wir schau'n uns das alles mal an.“