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Celle Stadt Stadt Celle legt Zebrastreifen am Neumarkt-Kreisel lahm
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle legt Zebrastreifen am Neumarkt-Kreisel lahm
08:28 14.06.2017
Von Christian Link
Nachdem die Stadt einen Zebrastreifen samt Radweg am Neumarkt-Kreisel gesperrt hat,fließt der Verkehr besser und der Rückstau in Richtung AKH hat sich deutlich reduziert. Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Gerade zu Stoßzeiten erreichte die neue Verkehrssituation genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich bewirken sollte: Sie führte zu langen Staus, die teilweise über einen halben Kilometer auf die andere Aller-Seite reichten. Am Montagabend hat die Stadtverwaltung nun kurzen Prozess mit dem Ärgernis gemacht und den Fußgänger- sowie Radüberweg kurzerhand mit Absperrungen und Verbotsschildern ins Abseits gestellt.

"Es ist ein Versuch, den Verkehrsfluss am Kreisel zu verbessern", sagt Stadtsprecher Wolfgang Fischer auf CZ-Anfrage. Zu einem möglichen Rückbau des unbeliebten Zebrastreifens äußerte er sich nicht. Die Absperrung gelte erst einmal für die Zeit der Bauphase in der Hehlentorstraße. Laut Fischer will das Tiefbauamt aber heute nachlegen und auch den zweiten Zebrastreifen am Kreisverkehr über die Bundesstraße 3 absperren.

Schon bei der Inbetriebnahme im August 2016 erwies sich die Kombination aus Kreisel und Zebrastreifen am Neumarkt als problematisch. Offenbar hatten die Verkehrsplaner die Behinderungen durch Fußgänger und Radfahrer unterschätzt. Die häufigen Überquerungen führten nicht nur im Berufsverkehr dazu, dass Autos bei der Ein- oder Ausfahrt in den Kreisel extrem behindert wurden. Doch alle Proteste konnten die Verkehrsplaner bislang nicht zu Nachbesserungen bewegen.

"Die Zebrastreifen waren von Beginn an einer der zentralen Kritikpunkte am Neumarkt-Kreisel", bestätigte gestern Rathaussprecher Fischer. Den Anlass für den plötzlichen Strategiewechsel der Stadt nannte er jedoch nicht. Nach CZ-Informationen ist die Sperrung auf ein Machtwort von Oberbürgermeister Jörg Nigge zurückzuführen.

Nicht nur die Bäckerei-Verkäuferinnen am Kreisel, die die Situation täglich im Blick haben, halten diesen Schritt für längst überfällig. "Bisher war das hier eine Katastrophe", lautet die ungeteilte Meinung. Zu den prominenteren Zebrastreifen-Gegner zählt Altstadt-Ortsbürgermeister Tim Übermuth, der zusammen mit seiner CDU-Fraktion jüngst eine Neuplanung des Bereichs forderte. Übermuth: „Für Fußgänger, die vom Schützenplatz in die Stadt gehen wollen, ist der bisherige Weg über den durch die Lichtsignalanlage geregelten Überweg zumutbar."

Schon gestern zeigten sich deutliche Verbesserungen durch die Zebrastreifen-Sperrung, teilweise lief der Verkehr richtig flüssig. Allerdings bildeten sich zeitweise immer noch Autoschlangen, die bis zum Torplatz reichten. Gründe dafür: Beim Einfädeln bei der Verengung von zwei auf einen Fahrstreifen kurz vor dem Kreisel hakt es weiterhin. Zudem bremsten gestern einige Autofahrer am Zebrastreifen, weil ihnen die plötzliche Absperrung wohl nicht ganz geheuer war.

Geht doch! – Ein Kommentar von CZ-Redakteur Michael Ende

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Das hat sich mal wieder am Beispiel des Neumarkt-Kreisels gezeigt, bei dem die städtischen Straßenplaner es allen hatten recht machen wollen: Den 35.000 Autofahrern, den 7000 Radlern und auch den 15.000 Fußgängern, die täglich in diesem Bereich unterwegs sind. Alle sollten gleich behandelt werden, und am Kreisel hatten die Fußgänger sogar Vorfahrt. Das war von den Planern total nett gedacht.

Doch eine Bundesstraße wie die B3, für die es immer noch keine Ortsumgehung gibt, ist nun mal in erster Linie dafür gedacht, dass auf ihr Fahrzeugverkehr fließt. Eine Bundesstraße ist nicht hauptsächlich dafür gemacht, um von Fußgängern auf möglichst vielen benachbarten Zebrastreifen auf möglichst engem Raum überquert zu werden.

Allen kann man es nie recht machen. Und man sollte auch gar nicht erst versuchen, das zu tun. Solche Schüsse gehen allzu oft nach hinten los. Wie an Celles zebragestreiftem Kreisel. Dass die Zebrastreifen jetzt kurzerhand außer Gefecht gesetzt worden sind, zeigt, dass man im Celler Rathaus zum Umdenken fähig ist, wenn's nicht rund läuft. Geht doch.