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Celle Stadt Stadt Celle plant ezidisches Gräberfeld
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle plant ezidisches Gräberfeld
22:23 04.03.2015
Von Michael Ende
Sind zufrieden über die von der Stadt angeregte Lösung des Friedhofs-Problems (von links): Rezan Uca, Dervis Duran und EKZ-Vorstandsmitglied Nuri Delaf. Quelle: Andreas Flick
Celle Stadt

Was kostet die Ewigkeit? Das mag ein wenig abgehoben klingen, doch es ist ein konkreter Punkt, über den Vertreter der Stadt Celle und des Ezidischen Kulturzentrums (EKZ) jahrelang diskutiert und verhandelt haben. Es geht um die Liegedauer von Toten auf städtischen Friedhöfen. Sie ist üblicherweise befristet, und es werden genau für diese befristete Zeit Gebühren berechnet. Eziden legen dagegen Wert auf eine "ewige" Grabruhe. Sie wollen ein eigenes Gräberfeld. Doch wie berechnet man Gebühren für die Ewigkeit, ohne jene zu benachteiligen, die für die üblichen 20 Jahre bezahlen?

Nachdem man lange zu keiner Einigung gekommen sei, sei die Verwaltung im Februar noch einmal auf das EKZ zugegangen, berichtete Jens Hanssen, Fachbereichsleiter des städtischen Grün-, Straßen- und Friedhofsbetriebs, jetzt im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und technische Dienste. Mit ihm sei über eine Einmalzahlung für die ewige Grabruhe nicht zu verhandeln, habe er klargemacht. Ein Grab für 20 Jahre koste 1720 Euro – wenn man das bis ans Ende aller Tage hochrechnen wolle, käme eine ansehnliche Summe Geld zusammen, so Hanssen: "Das kann niemand bezahlen."

Stattdessen hat man sich auf einen Kompromiss verständigt. Ihm zufolge fange die Ewigkeit in Celle erst einmal mit 40 Jahren an, so Hanssen: "Die Eziden belegen ihre Grabstellen zunächst doppelt so lange wie sonst üblich und zahlen den doppelten Betrag." Diese Verträge könnten dann von den Nachkommen verlängert werden. Einen geeigneten Platz für ein ezidisches Gräberfeld habe man zusammen mit Vertretern des EKZ auch schon gefunden: "Es geht um das Feld 14 auf dem Waldfriedhof in der Nähe der Marienwerderallee. Dort können auf rund 1500 Quadratmetern 260 Wahlgrabstellen entstehen." Nun gelte es noch Details wie etwa die Unterscheidung der drei ezidischen Kasten, die getrennt voneinander beerdigt werden müssten, zu klären, so dass der Rat voraussichtlich noch vor der Sommerpause Sonderregelungen für ein ezidisches Gräberfeld erlassen könne, so Hanssen.

Der FDP-Kreistagsabgeordnete Rezan Uca hatte immer wieder das Gräberfeld gefordert: „Unsere Gespräche mit der Stadt sind gut verlaufen.“ EKZ-Vorsitzender Dervis Duran macht deutlich, dass „es für die in Celle heimisch gewordenen Glaubensangehörigen wichtig ist, ihre verstorbenen Angehörigen hier beerdigen zu können." Rezan Uca hatte das Gräberfeld als einen wichtigen Beitrag zur Eingliederung der Kurden in die Celler Stadtgesellschaft bezeichnet. Linken-Ratsfrau Behiye Uca relativierte diese Einschätzung im Fachausschuss. Ihr zufolge ist das Gräberfeld alles andere als "gelebte Integration" – nämlich Separation im Tode. "Bei uns ist es absolut wichtig, nicht neben Nicht-Eziden beerdigt zu werden", entgegnete Uca, nachdem Hanssen gesagt hatte, dass Kurden auch heute schon problemlos auf städtischen Friedhöfen ihre letzte Ruhe finden könnten. Michael Ende