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Celle Stadt Stadt Celle plant kein Public Viewing zur Fußball-WM
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle plant kein Public Viewing zur Fußball-WM
07:51 28.09.2013
Lange Gesichter bei den Celler Fans: Die Absage des Public Viewing - im Französischen Garten fühlt sich wie eine Niederlage an. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Fremde Menschen liegen sich in den Armen, manche sind den Tränen nahe vor Freude: Alle feiern mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft den Sieg im Finale der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien – Bilder wie diese wird es im kommenden Jahr wohl nur in Metropolen wie Berlin geben, denn die Stadt Celle fährt die Blutgrätsche aus: Der Französische Garten, Public-Viewing-Austragungsort der WMs 2006 und 2010 sowie der Europameisterschaften 2008 und 2012, bleibt zur WM-Zeit im kommenden Juni und Juli nämlich leer.

Laut Bernd Zobel, Aufsichtsratsvorsitzender des bisherigen Public-Viewing-Veranstalters Celle Tourismus und Marketing (CTM) sei eine solche Veranstaltung nämlich nicht geplant. „Da müsste die Stadt an uns herantreten. Das ist bisher nicht geschehen.“ Dies werde wohl auch nicht passieren, so Stadt-Pressesprecher Wolfgang Fischer: „Bereits bei der EM ist für das Public Viewing eine Finanzierungslücke in Höhe eines fünfstelligen Betrags entstanden. Die Haushaltslage ist jetzt noch angespannter.“ Wegen der späten Anstoßzeiten, manche Gruppenspiele beginnen um 22 oder 0 Uhr, seien die Möglichkeiten zur Refinanzierung noch einmal deutlich geringer. Hinzu kommen mögliche Lärmbelästigungen und ein höherer Polizei-Aufwand wegen der Dunkelheit.

Damit scheint Wolfsburg allerdings kein Problem zu haben. Dort bestellte die Stadt sogar schon eine große LED-Leinwand für den Hollerplatz. In Berlin wird es zudem wieder eine große Fanmeile geben – notfalls auch nachts um 3 Uhr. In Nürnberg wurde das Public Viewing auf Grund des Lärms zu nächtlicher Stunde wiederum abgesagt.

So ist es wohl Auslegungssache, wer ein Public Viewing veranstaltet und wer nicht. Jürgen Rentsch, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, sieht wenig Handlungsspielraum für Celle: „Wir sollten uns von dem Thema verabschieden. Bei Liveübertragungen mitten in der Nacht würden wohl nur wenige Zuschauer kommen.“ Thorsten Schoeps, WG-Fraktionsvorsitzender, sieht zumindest eine Chance, wenn die Stadt Sponsoren finden würde: „Schließlich waren die Zahlen des vergangenen Public Viewing ja nicht so, dass es das letzte Mal gewesen sein müsste“, meint Schoeps.

Aus der Stadtkasse gäbe es nichts zu holen, stellt Heiko Gevers (CDU) klar. „Da herrscht absolute Ebbe.“ Oliver Müller beschuldigt die Stadt in dieser Hinsicht aber eines groben Foulspiels. „Die Stadt leistet sich zur gleichen Zeit das kostenaufwendige Zeigen von Hosenbandorden und ähnlichem im Rahmen der Landesausstellung ‚Als die Royals aus Hannover kamen‘“, sagt Müller. „Es ist das bekannte Dilemma: Für Tourismuswerbung ist Geld da, aber bei den im weiten Sinne kulturellen Bedürfnisse der Einheimischen beginnt immer das Stirnrunzeln.“

Immerhin ist Celle nicht ganz frei von Public Viewing: Die CD-Kaserne hat angekündigt, alle Spiele mit deutscher Beteiligung live in Ihren Hallen zu zeigen.

Von Andre Batistic