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Celle Stadt Stadt Celle will Wohnkomplex statt E-Center
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle will Wohnkomplex statt E-Center
21:40 22.08.2017
Von Michael Ende
Quelle: Thomas Brandt
Celle Stadt

Was hat Cramer geplant? Es soll ein Lebensmittelmarkt mit Vollsortiment mit einer Verkaufsfläche zwischen 3500 und 4000 Quadratmetern errichtet werden. Des Weiteren sollten in den Obergeschossen Wohnungen untergebracht werden.

Welche "Randsortimente" sollen im E-Center verkauft werden dürfen? Die im Bebauungsplan festgelegte Regelung sieht vor, dass zehn Prozent der Verkaufsfläche für sogenannte Randsortimente verbraucht werden können. Jedes dürfe bis zu 100 Quadratmeter groß sein, so Nigge: "Dies hat zur Folge, dass vier Einzelhandelsläden mit innenstadtrelevanten Sortimenten wie zum Beispiel Textil, Uhren, Schmuck und Schuhe eingerichtet werden dürfen, die dann in der Altstadt fehlen. Herr Cramer gibt an, weniger zu nutzen, rechtlich ist es aber nicht zu verbieten. Auch Tchibo soll dort hin – und würde vermutlich die Altstadt verlassen."

Was sagen die Nachbarn dazu? Nicht alle zukünftigen E-Center-Anwohner seien begeistert von der Plänen, weiß Stadtbaurat Ulrich Kinder: "Es kann heute nicht abgesehen werden, inwieweit seitens der Anwohner Rechtsmittel eingelegt werden. Die Folge könnte eine zusätzliche große Verzögerung sein."

Passt das E-Center städtebaulich in die Landschaft? Nur wenn man es unbedingt will. Im Zentrenkonzept der Stadt aus dem Jahr 2010 ist der Cramer-Standort nicht als zentraler Versorgungsbereich vorgesehen. Die knapp 4000 Cramer-Verkaufsquadratmeter überschreiten die Grenze zur "Großflächigkeit" von 800 Quadratmetern erheblich.

Welche alternativen Nutzungen sind für das Grundstück an der Ecke Wehlstraße/77er Straße denkbar? In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage nach innenstadtnahem Wohnen ebenso zugenommen wie die Nachfrage nach Bürostandorten am Altstadtrand, so Nigge: "Diese Nachfrage kann derzeit nicht ausreichend befriedigt werden. Das für Cramer vorgesehene Eckgrundstück wäre die letzte große Fläche dieser Art, die wir dafür noch haben."

Wie könnte das umgesetzt werden? Stadtbaurat Ulrich Kinder rät zu einem bewährten Vorgehen: "Wir sollten die Fläche mit einer veränderten Zielsetzung zügig neu vermarkten. Ich schlage analog zur alten Feuerwache einen kombinierten Architekten- und Investorenwettbewerb vor. Als Nutzung sollte im Kern Wohnen vorgesehen werden, eventuell ergänzt um Büro- und Dienstleistungsnutzungen."

Hat der verhinderte Investor Anspruch auf Schadenersatz? Gemäß der Rechtsauskunft, die sich die Stadt extern besorgt hat, hätte Cramer bei Abbruch der Verhandlungen seine Planungskosten in den Sand gesetzt und keinen Anspruch auf Entschädigung. Freilich verbleibe ein "rechtliches Restrisiko" heißt es.

Wie geht es jetzt weiter? Das letzte Wort hat immer die Politik. Am kommenden Dienstag wird sich der Bauausschuss ab 16 Uhr im Neuen Rathaus damit beschäftigen. Am Donnerstag, 31. August, ist das beabsichtigte Cramer-Aus Thema der Ratssitzung, die um 18 Uhr in der Alten Exerzierhalle beginnt. "Ich bin gespannt, ob die Politik meinem Vorschlag folgt", sagt Nigge, der daran erinnert, dass sich auch die Sozialdemokraten bereits vor rund zwei Jahren gegen das Projekt ausgesprochen hätten: "Die Argumente von damals haben mich überzeugt." Kinder: "Wenn die Politik will, ist das Ding tot."