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Celle Stadt Stadt macht bei Klimaschutz ernst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt macht bei Klimaschutz ernst
15:13 19.03.2012
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE. Neue Vorrangflächen für die Errichtung von Windkraftanlagen sucht derzeit die Celler Stadtverwaltung. Bisher sollte mit der Ausweisung dieser Flächen dem "Spargel-Wildwuchs" ein Riegel vorgeschoben werden. Ähnlich verhielt es sich mit Biogasanlagen. Doch nun bahnt sich ein Paradigmenwechsel in der städtischen Umweltpolitik an: Im Rahmen des jetzt vom Umweltausschuss auf den Weg gebrachten Klimaschutzkonzepts müsste die Stadt an sich zum Beispiel Windkraftanlagen nicht nur nicht gänzlich verhindern, sondern aktiv fördern. Denn die städtischen Klimaschutz-Ziele sind hoch gesteckt.

Bereits seit Beginn der 90er Jahre engagiere sich die Stadt im Bereich des Klimaschutzes, erläuterte Stadtbaurat Matthias Hardinghaus jetzt im Umweltausschuss. Eine Reihe von Projekten bis hin zum 2010 eingerichteten Klimafonds mit Förderschwerpunkten in der Solarenergie und Geothermie seien von der Stadt Celle auf den Weg gebracht worden: "Dieser Weg soll konsequent fortgesetzt werden, um das Ziel, die CO2-Belastung bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren und bis 2050 energieautark zu werden, mit innovativen Projekten zu erreichen."

In der für jetzt die Stadt Celle erstellten CO2-Bilanz wird der Energieverbrauch dargestellt. "Für das Jahr 2010 ergibt die Endbilanz einen Gesamtenergieverbrauch von etwa 3.300.000 Megawattstunden. Je Celler Einwohner entspricht dies einer CO2-Emission von zehn Tonnen und liegt damit im statistischen Mittel von Städten dieser Größenordnung in Deutschland", so Ulrich Kaiser von der Projektgruppe Klimaschutz. "Andererseits liegen die CO2-Emissionen zum Beispiel in Frankreich bei 6,6 Tonnen und in Belgien bei 13,9 Tonnen je Einwohner, was uns auch die unterschiedlichen Einsparpotentiale deutlich macht." Die CO2- Bilanz für das Stadtgebiet zeige, dass das Treibhausgas zu 27 Prozent von privaten Haushalten, zur 47 Prozent von der Wirtschaft, zu 25 Prozent durch den Verkehr und nur zu einem Prozent von kommunalen Einrichtungen erzeugt werde.

"An der CO2-Bilanz wird auch deutlich, dass wir mit den bisher in Celle erzeugten erneuerbaren Energien von 12,8 Prozent des Energieverbrauchs noch weit davon entfernt sind, um uns energieautark zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen" unterstrich Kaiser. Schwerpunkte des zukünftigen Engagements müssten daher in den Bereichen Geothermie, Solarenergie und Windkraft gesetzt werden: "Sieht man die Energiegewinnungspotentiale bei der Windkraft und die weltweit

anerkannte Celler Kompetenz im Bereich Geothermie, wird deutlich, wo die größten Chancen liegen."

Ziele müssten hoch gesteckt werden, sagten sowohl Georgia Langhans (Grüne) und Oliver Müller (BSG) als auch Patrick Brammer (SPD) über das Konzept, das nun in den Fachausschüssen beraten und noch vor der Sommerpause vom Rat verabschiedet werden soll. "Ich bin für ehrgeizige Ziele", meinte Heiko Gevers (CDU). "Aber energieautarke Kommune? Das schaffen wir nie." Dazu Kaiser: "In 38 Jahren kann noch viel passieren."