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Celle Stadt Stadt schiebt Celler "Campus" an
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt schiebt Celler "Campus" an
10:40 02.05.2015
Von Michael Ende
Wolfgang Schucht will sich den planerischen Schwung nicht nehmen lassen: Er will den "Campus" unbedingt realisieren. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Ich bleibe euphorisch – meinetwegen auch mit einem Anflug von Größenwahn“ – in der Sitzung des städtischen Bauausschusses mit dem Ortsrat Hehlentor machte Wolfgang Schucht als Beauftragter für die Konversion der Kaserne an der Hohen Wende deutlich, dass seiner Meinung nach ein gehöriger Schuss Zweckoptimismus bei der Realisierung der Vision, dort einen Hochschul-"Campus" zu entwickeln, nicht schaden könne. Zuvor hatte Hartmut Knigge (CDU) gefragt, ob die von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) angeschobenen Pläne für einen 15 Hektar großen „Campus“ in der alten Kaserne nicht ein wenig „größenwahnsinnig“ und „euphorisch“ seien.

Auf jeden Fall sei die Vision eines in Kooperation mit der Lüneburger Leuphana-Universität bis zum Wintersemester 2017 aus der Taufe zu hebenden Studiengangs „sehr ambitioniert“, so Axel Fuchs (CDU). „Wir müssen das Große wollen“, sagte Ralf Blidon (FDP). Fuchs: „Genau - was hinterher draus wird, werden wir sehen.“ Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, die Planungen für den Celler „Campus“ anzuschieben.

Dabei wurde allen schnell klar, dass man damit einen Blindflug startet. Nadin Bisewski (Grüne) fragte, wie konkret die Uni-Planungen denn seien. Schucht verwies auf einen CZ-Artikel, in dem Mende kürzlich gesagt hatte, dass er dazu nichts sagen könne, außer dass er auf vielen Ebenen Gespräche führe und „weitere denkbare Ansätze für die Auslastung des Campus“ entwickle. „Mehr liegt dem Stadtrat auch nicht vor“, so Fuchs.

Die Politik verließ sich darauf, dass der zugeknöpfte Oberbürgermeister schon Erfolg haben werde. „Das ist eine super Chance für die ganze Stadt“, so Jürgen Rentsch (SPD). „Gerade für junge Leute wäre eine FH eine tolle Sache“, meinte Salhattin Kizilyel (SPD). Dabei ist fraglich, wie jung die Celler Studenten, von denen nicht klar ist, ob sie überhaupt in Celle anwesend sein müssten, sein werden. Denn angedacht sind Weiterbildungsstudiengänge für Handwerksmeister und „hochqualifizierte Fachkräfte“ – also wohl eher „ältere Semester“

Knigge äußerte Bedenken, ob die 1938 für die Kriegsvorbereitungen der Wehrmacht aus dem Boden gestampften 0815-Blöcke sich wirklich für eine moderne universitäre Nutzung eigneten: „Die meisten Gebäude sollte man besser abreißen und dafür neue bauen. Ich jedenfalls bin nicht bereit, in Nazi-Denkmäler auch noch Geld zu stecken.“ Schucht nickte und sagte, dass man mit dem Landes-Denkmalschutz noch klären werde, ob wirklich alle Gebäude der als Ganzes geschützten Kaserne erhalten werden müssten: „Es ist nur ein Ensemble – damit muss man auch städtebaulich umgehen können.“