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Celle Stadt Stadtbibliothek: Mainstream in Celle wichtiger als Niveau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadtbibliothek: Mainstream in Celle wichtiger als Niveau
18:33 08.06.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Sinus 2015
Celle Stadt

Im Jahr 2017 muss sich das gedruckte Buch gegen die immer stärker werdende Konkurrenz um Aufmerksamkeit behaupten: Youtube, Snapchat, Videospiele. Es wird immer mehr über Bilder und immer weniger über Sprache kommuniziert. Kinder mit Migrationshintergrund lernen schneller von ihren Mitschülern und Lehrern die Sprache, als von den eigenen Eltern. Und selbst der PISA-Schock aus dem Jahr 2000 wirkt immer noch in der Bildungspolitik nach. Auch niedersächsische Bibliotheken müssen auf all diese Veränderungen reagieren und sich Zukunftsfragen stellen. Als eine von 17 ausgewählten Städten hat Celle ein Strategiekonzept für die nächsten fünf Jahre erstellt.

Bibliotheksleiterin Petra Moderow und ihre Mitarbeiter haben Studien gewälzt, um die aktuellen Hürden zu analysieren und neue Angebote zu entwickeln. Sie beschäftigten sich auch mit den zehn Milieus des Sinus-Instituts, die Befindlichkeiten der Bevölkerung plastisch darstellen. "Dazu gehört zu verstehen, wie sich Menschen selbst und ihre Umwelt wahrnehmen, was sie mögen und was nicht, wie sie leben, denken, fühlen und bewerten", erklärte Moderow im städtischen Kulturausschuss.

So gruppiert das Sinus-Institut Menschen mit ähnlicher Lebensauffassung und Lebensweise mit verbindenden Wertorientierungen und Einstellungen zu Arbeit, Familie, Freizeit, Geld und Konsum. Denn formale Gemeinsamkeiten wie gemeinsame Schichtenzugehörigkeit oder gleiches Alter können überraschend große Unterschiede beinhalten. Ein Beispiel: Ozzy Osbourne und Prinz Charles sind zwar ziemlich reich und im selben Jahr geboren. Dennoch liegen ihre Interessen weit auseinander.

Zwei Milieus liegen der Stadtbibliothek besonders am Herzen: Nämlich die Hedonisten und die Prekären, die vor allem in der Unterschicht vertreten sind. Diese will Moderow über Sprachförderung für alle Altersgruppen erreichen und niedrigschwellige Angebote schaffen. „Das Niveau im Bestand können wir so nicht mehr halten. Wir brauchen mehr Mainstream“, erklärte Moderow. Bei Veranstaltungen in der Bibliothek sei der animierende Aspekt wichtig. "Die Kinder müssen mindestens drei Mal lachen können", betonte die Leiterin. Über Schulen und Kitas erreiche die Bibliothek die gewünschten Zielgruppen effektiv. An die Erwachsenen komme man nur schwer: "Die Eltern finden nicht mehr den Weg in die Bibliothek", bedauerte Moderow. Abzuwarten bleibt, ob die Stadtverwaltung die Erkenntnisse der Sinus-Studie für weitere Zwecke nutzt.