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Celle Stadt Stadträtin Opfer von Datenklau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadträtin Opfer von Datenklau
18:11 11.06.2012
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Erste Stadträtin in Not. Nicht wenige Celler dürften in den vergangenen Tagen einen Hilferuf von Susanne Schmitt erhalten haben. In Madrid säße sie fest, nach einem Ausflug. „Dabei wurde meine Tasche mit Reisepass, Bargeld, und meine Kreditkarten gestohlen. Habe schon meine Bank informiert aber die Arbeiten nicht so schnell wie ich es haben will. Kannst du mir ein bischen Geld borgen damit ich alles erledigen kann und zur recht komme“, hieß es wörtlich in einer E-Mail. Die meisten Adressaten dürften angesichts der diversen Rechtschreibfehler schnell darauf gekommen sein, dass nicht Schmitt dahinter steckte. Und in der Tat, Betrüger hatten ihren Privatrechner geknackt und sich der E-Mail-Adressen bemächtigt.

Das einzig Wahre an der Geschichte: Schmitt war wirklich im Urlaub, allerdings auf Sylt. „Dort habe ich einen Anruf meiner Bankberaterin bekommen, die sich über die Email gewundert hat und der klar war, dass sich jemand in meinen Computer gehackt hatte“, berichtet Schmitt, die froh ist, dass sich die Täter in der deutschen Sprache so unbeholfen angestellt haben und so niemand zu Schaden kam, außer sie selbst.

„Alle Emails und alle Email-Kontakte waren gelöscht, zum Teil konnten sie aber wiederhergestellt werden“, erläutert die Erste Stadträtin, die keine Ahnung hat, wie die Diebe den Datenklau bewerkstelligt haben. Als sie nach dem Anruf ihrer Bankberaterin unterschiedliche Anti-Virus-Programme hat durchlaufen lassen, sei allerdings eine Datei aufgefallen, die nicht in Ordnung gewesen sei, so Schmitt, die sofort ihre Passwörter geändert hat.

Beim Landeskriminalamt geht man davon aus, dass diese Art der Internetkriminalität stark zunimmt. „Genaue Zahlen gibt es nicht, wir gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, da viele Opfer diese Diebstähle nicht anzeigen“, sagt LKA-Pressesprecher Frank Federau.

Die Masche sei hinlänglich bekannt. „Das ist ein oft verwendetes Muster“, meint Federau. Der Enkeltrick übertragen ins Internet-Zeitalter. „Die Täter, die aus dem Ausland agieren, haben oft Fehler in ihren Emails. Es gibt aber auch welche, die sich besser auskennen und das Ganze besser vorbereitet haben“, weiß der LKA-Pressesprecher.

Neben dem Versand von Zahlungsaufforderungen werden von den Internet-Tätern auch gerne Viren verschickt, die auf den Computern ihrer Opfer schweren Schaden anrichten können oder auch Passwörter ausspionieren. „Als Minimalschutz sollte man über eine komplette und aktuelle Virensoftware verfügen. Zudem sollte man sich immer die neuesten Windows-Updates herunter laden“, rät Federau. Und am besten hält man seine eigene Neugier in Schach. „Wenn man den Absender einer Email nicht kennt, sollte man sie löschen – lieber einmal zu viel eine Email in den Mülleimer werfen als einmal zu wenig“, empfiehlt Federau.