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Celle Stadt Startschuss für Narrenzeit im Celler Land
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Startschuss für Narrenzeit im Celler Land
07:13 13.11.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Die Klostertaler aus Wienhausen spielten auf, und Dutzende Schaulustige blieben vor dem Alten Rathaus in Celle stehen. Gertraude Kramer wandte sich als Präsidentin der Rheinischen Vereinigung per Mikrofon an die Narrenschaft. Dreimal "Celle Alaaf" inklusive der obligatorischen Armbewegung gen Himmel machten klar: Die Narren streben nach der Macht. Ihr Ruf wurde allerdings nicht von Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge erhört. "Den Oberbürgermeister interessiert das nicht einmal, er hat Reißaus genommen", bemängelte Kramer.

Celles Bürgermeister Heiko Gevers sprang ein und stellte sich den Karnevalisten stilecht mit schillernder Narrenkappe auf dem Kopf und Kölschglas in der Hand. Zur Begrüßung legte ihm Kramer sogleich einen Verdienstorden um. "Den gibt es auf der Welt nur 70 Mal", unterstrich sie dessen Stellenwert.

Dann ging es ans Eingemachte. "Lieber Bürgermeister, diese Frage muss gestattet sein, welche Medizin nehmen Sie morgens ein?", wollte Kramer von Gevers wissen. "Eine Prise Spaß", erwiderte der Bürgermeister zur Zufriedenheit der Narren. Als Belohnung ertönte wieder dreimal "Celle Alaaf".

Nachdem die Narren diverse "Fehlentscheidungen" der Celler Politik kritisiert hatten, übergab Gevers den symbolischen Rathausschlüssel. "Verwahrt ihn gut", mahnte er. Bis zum Aschermittwoch regieren nun die Narren und halten der Politik den Spiegel vor. Die Mitglieder der Rheinischen Vereinigung fiebern außerdem dem 10. Februar 2018 entgegen: Dann gibt es bei der Prunksitzung im Gasthaus "Zum Lindenhof" in Garßen noch mehr närrisches Treiben.

In Bröckel feierte man den Auftakt der Karnevalssaison am Samstag traditionell mit einem Fackelumzug durch das Dorf. Jung und Alt kamen am Feuerwehrgerätehaus zusammen und entzündeten ihre Fackeln. Geschützt von zwei Fahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehr zogen rund 50 Menschen durch Bröckels Straßen. Ihr Ziel: Der Hof von Hans-Hinrik Berkhan, Bürgermeister der Gemeinde. Musikalische Unterstützung bekamen die Karnevalisten vom Spielmannszug Bockelskamp, der den Umzug anführte.

Bürgermeister Berkhan wartete bereits auf den Stufen seines Hauses. Monika Krüger, Präsidentin des Bröckeler Karnevalsvereins, ergriff das Wort: "Der 11.11., nun ist es so weit, nun beginnt die ..." Eigentlich war nun die Unterstützung aller gefordert, um den Satz mit "Narrenzeit" zu beenden. Doch nur vereinzelt gelang dies. "Leute, wie lange seid ihr schon dabei?", neckte Krüger die Umzugteilnehmer. "Also nochmal." Im zweiten Anlauf verpasste dann niemand seinen Einsatz.

"Wir fordern den Schlüssel", ließ Krüger den Bürgermeister wissen. Der ließ sich das nicht zweimal sagen und präsentierte den goldenen Schlüssel auf einem roten Kissen. "Ah" und "Oh" riefen die Umstehenden ehrfürchtig. Unter Applaus nahm die Präsidentin den Schlüssel der Macht entgegen.

Mit Glühwein wärmten sich die Narren auf, die Fackeln steckten derweil im Blumenkasten. "Es gibt nichts Schöneres als Karneval in Bröckel", sagte Thomas Deist, und als gebürtiger Kölner weiß er, wovon er spricht. Der Höhepunkt der Festzeit ist auch in Bröckel die Prunksitzung. Gefeiert wird gleich an zwei Tagen, am 9. und 10. Februar 2018. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits, verriet Krüger: "Es geht nicht anders." Denn jeder Auftritt wird aus den eigenen Reihen auf die Beine gestellt. "Wir machen alles selbst und haben keine eingekauften Nummern", stellte die Präsidentin heraus.

Nach dem wärmenden Zwischenstopp auf Berkhans Hof zog die närrische Truppe weiter in den "Imbiss". Dort wurde der "Jeck des Jahres" gewählt – eine besondere Ehre, wie Krüger weiß: "Das will jeder mal werden. Dann kriegt man einen schönen Orden, und damit sind wir sehr sparsam." Der Glückliche ist in diesem Jahr Volker Knopf, langjähriges Mitglied im Bröckeler Karnevalsverein.

Nach diesem fulminanten Auftakt am Samstag haben die Narren nun drei Monate Zeit, den Politikern den richtigen Weg zu weisen. Die Prunksitzungen sind dann der krönende Abschluss.

Von Amelie Thiemann