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Celle Stadt Statt Oper ein gelungenes Konzert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Statt Oper ein gelungenes Konzert
11:05 06.09.2016
Georgisches Kammerorchester im Celler Beckmannsaal Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Ein bisschen war der Wurm drin in der Produktion einer Oper für die Hauptbühne des Celler Schlosstheaters durch die Simon-Mayr-Gesellschaft: Erst platzte die vorgesehene szenische Produktion einer Oper des wenig bekannten Donizetti-Lehrers Simon Mayr, dann wurde die eigentlich vorgesehene Nutzung des Schlosstheaters zu einem Problem, weshalb man in den Beckmannsaal umziehen musste und dort ersatzweise ein Konzert mit Ausschnitten aus der ursprünglich geplanten Oper und Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart anbot. Schließlich wurde noch einer von zwei Sängern des Abends krank. Letzteres erwies sich als weniger problematisch, denn man fand mit Philipp Gaiser mehr als passablen Ersatz, auch wenn dieser nicht an die stimmliche und musikalische Ausstrahlung seiner Soprankollegin Karolina Plickova herankommen sollte.

Leider erwies sich das Interesse vom normalerweise zahlreichen Celler Klassikpublikum an diesem Abend als gering. Hätte nicht die mitveranstaltende Mayr-Gesellschaft zwei Busse aus Ingolstadt nach Celle gebracht, so hätte das Georgische Kammerorchester vor erschreckend leeren Stühlen spielen müssen.

Die Celler haben durchaus etwas verpasst, machten doch die weitgehend reizvollen Ausschnitte aus der Mayr-Oper neugierig auf das Stück als Ganzes. Die an der Grenze zwischen den Epochen und Stilen vielerlei in sich vereinigende Musik zeigte zwar nicht die Genialität eines Rossini oder Donizetti, aber als aufführenswert und wirkungsvoll erwiesen sich diese Stücke allemal. Man kann nur hoffen, dass die ins Auge gefasste szenische Produktion der Mayr-Oper im nächsten Jahr dann wirklich in Celle zu erleben sein wird.

Besonders überzeugend spielte das Orchester aus Ingolstadt vor allem die frühe A-Dur-Sinfonie KV 201 von Wolfgang Amadeus Mozart. Wunderbar gelang Dirigent Andreas Heinzmann mit seinen Musikern nicht nur die so häufig missratende Gestaltung des ersten Themas mit der fallenden Oktave und dem anschließenden Repetitionsmotiv. Da ist ihm und dem Orchester die perfekte Mischung aus Leichtigkeit und klanglicher Dichte geglückt. Diese annähernd ideale Balance ohne dabei die Widerborstigkeiten Mozarts glatt zu bügeln, die kennzeichnete die gesamte, hervorragende Interpretation des Stückes.

Einen Knaller gab es noch als Zugabe: Eine kammerorchestrale Bearbeitung georgischer Volkslieder, bei denen die Musiker spürbar in ihrem Element waren.

Von Reinald Hanke