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Celle Stadt Steigende Nachfrage: Celler Frauenhaus erhofft sich mehr Geld
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Steigende Nachfrage: Celler Frauenhaus erhofft sich mehr Geld
18:03 08.01.2014
Von Oliver Gatz
Der Bedarf an Hilfe durch das Celler Frauenhaus ist steigend. Doch die Einrichtung stößt finanziell an ihre Grenzen.  Quelle: Peter Steffen
Celle Stadt

Seit 30 Jahren kümmert sich das anonyme (einst autonome) Frauenhaus in Celle um Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt erfahren haben. Dort finden sie eine Zuflucht, um ihr Leben neu zu ordnen – zum Teil in einer anderen Stadt und mit neuer Identität.

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist bundesweit unterschiedlich. In Celle gewährt das Land Niedersachsen zwei volle Stellen, wenn sich Stadt und Kreis mit jeweils 25 Prozent an den Kosten beteiligen. „Wir haben eine Grundausstattung – aber nicht mehr“, sagt Frauenhaus-Vorsitzende Amei Wiegel, die sich eine bessere Finanzausstattung wünscht. Eine dritte Stelle wäre möglich. Allerdings müssten dann Stadt und Kreis ihren Anteil erhöhen.

Der Bedarf ist jedenfalls vorhanden – und steigt. Es gibt mehr Anfragen als Plätze. Um die Hilfe zu organisieren, engagieren sich neben der Leiterin Natalia Behre und drei Sozialpädagoginnen und Psychologinnen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, um die 24-Stunden-Notrufbereitschaft zu gewährleisten. Darüber hinaus gibt es seit zwei Jahren die Beratungsstelle Feroxia für Frauen, die sich nicht in akuter Not befinden, aber einen Ausweg aus der Gewaltbeziehung suchen. Dieser Personenkreis nimmt zu. Allerdings zahlt das Land nichts für die Beratung. Die dafür vorgesehene halbe Stelle wird über die Stiftung und eigene Mittel des Frauenhauses finanziert.

Für Frauen und Kinder ohne eigenes Einkommen bekommt die Celler Einrichtung die Kosten für die Unterkunft vom Staat erstattet. Traurige Ironie: Je stärker das Haus ausgelastet ist, desto besser steht es finanziell da. Um die wirtschaftliche Lage der Einrichtung zu festigen, muss das Kapital der Stiftung wachsen. „Da braucht man einen langen Atem“, betont Wiegel.

Im Schnitt bleiben die Frauen etwa drei Monate in der Einrichtung. Einige verlassen das Frauenhaus bereits nach wenigen Stunden, andere bleiben ein Jahr. Erfreulich: 80 bis 90 Prozent der Frauen schaffen es, einen eigenen Weg zu finden und sich aus der Gewaltbeziehung zu befreien. „Das ist der Lohn unserer Arbeit“, sagt Wiegel. Hauptgrund für die Rückkehr in die Gewaltbeziehung ist finanzielle Abhängigkeit. „Die Frauen haben Angst vor Armut“, fügt Frauenhaus-Leiterin Behre hinzu. Um dem entgegenzuwirken, gibt es finanzielle Übergangshilfen von der Stiftung. Auch eine Nachbetreuung ehemaliger Bewohnerinnen ist möglich.

Im vergangenen Jahr erhielten vier Frauen eine komplett neue Identität. Etliche bleiben nicht in Celle, sondern werden an andere Frauenhäuser vermittelt. „Wir sind sehr gut vernetzt“, erläutert Behre. Im Gegensatz zu früher hat die Polizei heutzutage bei häuslicher Gewalt eine rechtliche Handhabe, kann eingreifen und Platzverweise erteilen. „Das alles sind sehr viel bessere Bedingungen. Sie erleichtern unsere Arbeit“, so Wiegel.

Neben dem anonymen Frauenhaus Celle, das rund um die Uhr über den Notruf (05141) 25788 erreichbar ist, gibt es als zweite Zuflucht für Betroffene das Haus der Familie.