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Celle Stadt Steiniger Weg zur Celler "Uni"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Steiniger Weg zur Celler "Uni"
20:08 13.02.2015
Von Michael Ende
Hier dreht sich längst noch nichts: Der Aufbau des Bohrsimulators an der Baker-Hughes-Straße ist ins Stocken geraten. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Der 25. September 2017 wird ein großer Tag für Celle sein. Dann nämlich eröffnet in der Kaserne an der Hohen Wende, gleich neben dem städtischen Bauhof, ein Ableger der Lüneburger Leuphana-Universität seine Pforten. Darauf freut man sich in der Herzogstadt, seitdem Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) mitgeteilt hat, dass die Celler „Uni“ dort zum Wintersemester 2017 an den Start gehen solle.

Offiziell hatte sich die Landesregierung kürzlich gegenüber diesem Celler Projekt, bei dem noch Details wie die Finanzierung offen sind, äußerst reserviert gezeigt. Man unterstütze weder neue Universitäten noch Uni-Ableger, hieß es im Landtag. Doch hinter den Kulissen des politischen Hannovers macht sich Mende für seine Vision stark. So kündigte er an, dort Gespräche führen zu wollen. Mindestens eines hat er bereits hinter sich. Über den Inhalt schweigt er: „Zu den Gesprächen auf Arbeitsebene in der Staatskanzlei werde ich mich nicht äußern. Ich kann aber versichern, dass derzeit auf Arbeitsebene mit Hochdruck an der weiteren Konzeptionierung gearbeitet wird. Das Gespräch mit Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic findet Anfang März statt. Ich gehe davon aus, dass ich dann auch die Öffentlichkeit erneut unterrichten werde.“

Aus dem Fokus der Öffentlichkeit und auch der Politik ist unterdessen ein millionenschweres Projekt verschwunden, das sich längst nicht mehr im Visions-Stadium befindet und das tatsächlich Zukunfts-Forschung nach Celle holen könnte: Die Rede ist vom Bohrsimulator, der als weltweit modernste Einrichtung ihrer Art der Nukleus für eine universitäre Einrichtung, für eine Celler „Geothermie-Akademie“ sein könnte. Warum es um den Bohrsimulator so ruhig geworden ist? Die Antwort: Sand im Getriebe - dort dreht sich längst noch nichts.

Rund zehn Millionen Euro will man in direkter Nachbarschaft von Baker Hughes investieren, und eigentlich sollte der Drilling-Simulator Anfang 2016 an den Start gehen – doch ob das auch klappt, steht in den Sternen. Bisher hat sich der Celler Verein GeoEnergy Celle sehr mit dem Projekt identifiziert. Jetzt sagt der Vorsitzende Thor Noevig, man sei nur ein „kleiner Partner“ und wolle nichts zum aktuellen Stand sagen. Professor Georg-Peter Ostermeyer, Leiter des Instituts für Dynamik und Schwingungen an der Technischen Universität Braunschweig, wollte die Celler Forschungsstätte mit aufbauen. Er wurde ausgebootet. „Auf Wunsch der TU Clausthal wird ein Weg ohne die TU Braunschweig oder Universität Hannover in dieser Sache gesucht“, sagt er knapp.

Dabei ist derjenige, der als führender Kopf das Bohr-Forschungszentrum in Kooperation mit dem Energieforschungszentrum Niedersachsen (EFZN) aufbauen wollte, abhanden gekommen: Bohrexperte Catalin Teodoriu ist von der TU Clausthal an die University of Oklahoma gewechselt. Teodoriu hatte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Grundausstattung für das Celler Projekt beantragt – aber ohne Chefwissenschaftler gibt es kein grünes Licht: Die DFG hat den Antrag an die TU Clausthal und das EFZN zurückgegeben. Das kostet Zeit. Wann die Bohrsimulator-Halle mit Technik bestückt wird und das High-Tech-Zentrum an den Start geht? Jens-Peter Springmann, Leiter der EFZN-Geschäftsstelle Goslar, zuckt mit den Schultern.

Wer im Internet sucht, der findet eine Universität, die seit 2003 in Celle aktiv ist: Die private FHDW Hannover bietet in Ihrer Außenstelle an der Welfenallee unter anderem Studiengänge in BWL und Wirtschaftsinformatik an. Dann hat Celle also schon eine Uni? Klingt super. Auf Nachfrage lässt FHDW-Sprecherin Renate Jacobs das Luftschloss platzen: „Diesen FHDW-Standort gibt es nur noch im Netz. In Celle ist nichts mehr. Das müssen wir mal aus unserem Internet-Auftritt streichen.“ Schade.

Unterdessen läuft der Countdown: Noch 953 Tage bis zum von Mende angekündigten Studienstart an der Hohen Wende. Einen „kleineren Testdurchlauf“ hatte der OB bereits für 2016 in Aussicht gestellt.