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Celle Stadt Stilmix der besonderen Art im Celler „Gajah“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stilmix der besonderen Art im Celler „Gajah“
23:00 12.01.2014
Konzert Indigo Masala (von links): - Arun Leander, sein Vater Ravi - Srinivasan und Yogendra (Jens Eckert) beim Konzert in Celle. Quelle: Benjamin Westhoff
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Da war zunächst die Tatsache bemerkenswert, dass Ravi Srinivasan, der Chef der Formation, zwischen den Stücken ganze Geschichten erzählte aus seinem Musikerleben auf Reisen zwischen Twist in Ostfriesland und Grönland. Und auch seine Erinnerungen an die Heimat Indien und Geschehnisse in seiner zweiten Wahlheimat Berlin gab er wunderbar locker und frei formulierend zum Besten. Natürlich, so ist das ja immer bei Geschichtenerzählern aus fernen Ländern, sind da die Grenzen zwischen tatsächlichen Erinnerungen an konkrete Vorfälle und den fantasiegeprägten Ausschmückungen fließend, aber das war wohl für niemanden Anlass zu Kritik. Nein, das machte gerade den Reiz dieser Erzählungen aus.

Zu hören gab es Musik, die unüberhörbar in indischen Traditionen wurzelte. Die drei Gäste aus Berlin hatten aber die Fähigkeit, daraus etwas ganz Eigenes zu machen, das Elemente des indischen Raga mit jazzigen und poppigen Elementen verband. Mal glaubte man für einen Moment südamerikalische Klänge zu hören. Der Bajan spielende Sohn des das Schlagwerk bedienenden Bandchefs hat genau wie sein Vater ein untrügliches Gespür für Rhythmen und Klangfarben. Die beiden vorherrschenden Instrumente des Abends sind aber die Tabla und die Sitar. An der Sitar ist ein deutscher Spezialist zugange, der diesem Instrument mit seinen für uns so ungewohnt lang nachschwingenden Obertonspektren nicht nur die für uns zunächst eher anbekannt anmutende Melodien entlockt, sondern auch eher westlich geprägte Melodien. Wenn solcherlei Melodien dann aus einem diffus wirkenden, genau genommen aber vielschichtig strukturierten Klanghintergrund von Tablatönen und scheinbar stehenden Knopfakkordeonharmonien herauswachsen, dann hat das schon einen extremen Reiz. Überhaupt war dieses Konzert eine einzige Reise in Klangfantasien und Klangbildern. Und vor allem gelang es dem Trio wunderbar, Geräusche der Natur wie Vogelpfeifen zu einem Teil der eigenen Musik zu machen. Da liegt Naturerleben und Musikkunst auf einmal ganz nahe. Und der Zuhörer staunt nur noch.

Von Reinald Hanke