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Celle Stadt Stimme mit leichten Gebrauchsspuren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stimme mit leichten Gebrauchsspuren
19:43 05.03.2012
F¸r Leute: Lesung bei Decius: Andreas Frˆhlich liest aus Walter Moers' "Labyrinth der tr‰umenden B¸cher". Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Er gurgelt, um sich in Stimmung zu bringen. Allerdings nicht mit Rotwein, sondern mit Mineralwasser. Um mit seiner Stimme krähende Zwerge und brummelige Druiden zu machen. Und einen 200 Jahre alten Lindwurm. Bei seinem Gastspiel in der Buchhandlung Decius trägt die Hörbuchstimme von Walter Moers‘ „Labyrinth der träumenden Bücher“, Andreas Fröhlich, rund 200 Fans des Fantasy-Bestseller-Autors auf den Kontinent Zamonien. Dorthin, wo Moers in seinem jüngsten Werk eine Welt aus Schrecksen und Nebelheimern, zwischen lebenden Büchern und mechanischen Theaterpuppen inszeniert. Allen voran der poetische Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz, der ohne Inspiration seine alte Wirkungsstätte aufsucht – getrieben von einem geheimnisvollen Brief des Schattenkönigs.

Fröhlich brummt und quakt, krakeelt und zischt – und seine Vorlesestunde verfliegt ebenso schnell wie die Kutschfahrt ins unsichtbare Theater des Protagonisten Mythenmetz. „Es gibt ohnehin nur zwei spannende Stellen in dem Buch, die ersten fünf Seiten und das Ende“, plaudert Fröhlich, der nach dem „Schrecksenmeister“ nun dem zweiten Moers-Werk mit seiner Stimme zu Lebendigkeit verhilft. „Der Rest ist mehr so Arno-Schmidt-mäßig.“ Das Buch sei ein einziger Prolog. Und Moers langweile mit Absicht. „Aber wenn man das alles weiß, ist es ein tolles Buch.“ Und das findet auch das Celler Publikum, nachdem Fröhlich am Mikrofon – kaum zu sehen, aber akustisch hörbar – ein wenig zusammensackt, seine Stimme eine winzige Oktave tiefer einstellt und plötzlich klingt, als säße tatsächlich ein schwergewichtiger Dinosaurier mit Doppelkinn in der Buchhandlung.

Bekannt geworden ist Fröhlich jedoch als Sprecher im Trio der „Drei Fragezeichen“. Als Bob Andrews „spreche ich einfach etwas kurzatmiger und schneller – und schon klinge ich jünger“, sagt er und gibt seinem Publikum eine Hörprobe seiner „Stimme mit leichten Gebrauchsspuren“, wie er selbst von sich sagt. Die, so gibt er offenherzig zu, setzt er auch in der Werbung ein.

Als Synchronsprecher bringen Cineasten Fröhlich mit Namen wie Edward Norton oder John Cusack in Verbindung. Für „Herr der Ringe: Die zwei Türme“ hat er sowohl das Dialogbuch geschrieben als auch Synchronregie geführt und dafür den Deutschen Preis für Synchron erhalten.

Während Fröhlich es nach wie vor toll findet, als Stimme des Bob Andrews erkannt zu werden, möchte er auf eines nicht mehr angesprochen werden: auf seinen akustischen Auftritt als Ken an der Seite von Barbie.

Katja Müller