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Celle Stadt Stipendiaten der Yehudi-Menuhin-Gesellschaft begeistern in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stipendiaten der Yehudi-Menuhin-Gesellschaft begeistern in Celle
16:44 22.04.2016
Celle Stadt

Die Kooperation zwischen der Yehudi-Menuhin-Gesellschaft Hannover und der JVA Celle währt nun schon eine Reihe von Jahren, und es gab viele hochklassige Konzerte. Die „hochbegabten“ jungen Musiker bekommen Auftrittsmöglichkeiten, und die Gesellschaft bringt Konzerte zu „Menschen, die nicht in Konzerte gehen können“. Und die Gefangenen der JVA Celle kommen in den Genuss, Konzerte erleben zu dürfen, die zumeist Seltenheitswert besitzen.

Beim jüngsten Konzert mit dem Titel „Was soll der Zorn, mein Schatz?“ kam ein Trio in die Anstalt, zwei Sängerinnen und ein Pianist: Sophia Körber (Sopran), Marlene Gassner (Mezzosopran) und Daniel Rudolph (Piano). Gleich zu Beginn sangen die beiden jungen Frauen „Die Schwestern“ von Johannes Brahms, das recht fröhliche Lied, das von seelenverwandten und optisch ähnlichen Schwestern handelt, die sich dann in denselben Mann verlieben. Dieses Duett mit zwei herausragenden Stimmen war schon das Kommen wert.

Schade war, dass sich dieses tolle Singen als Duett nicht fortsetzte, denn die beiden Sängerinnen traten im Anschluss erst einmal als Solistinnen auf. Das war auch klasse, aber gerade den gemeinsamen Gesang der klaren, auch in der Höhe schönen und unverkrampften Stimme der Sopranistin Körber und der samten-dunklen Mezzosopranistin Gassner hätte man gerne öfter gehört.

Sophia Körber sang dann mit viel Schwung das titelgebende Lied „Was soll der Zorn, mein Schatz?“ von Hugo Wolf. Das Lied ist im Normalfall textlich eher harmlos, aber in einer JVA darüber zu singen, dass der „erhitzte Schatz ein Messer wohlgespitzt“ nehmen solle, war schon delikat. Aber das fiel den Künstlern erst während des Auftritts auf.

Kurz vor dem Ende des Konzerts kam es dann noch zu einem weiterem Duett mit Offenbachs bekannter „Barcarole“. Solche raumfüllenden, sympathischen Stimmen mit sensiblem Vibrato hört man selten.

Von Peter Bierschwale