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Celle Stadt Stolz und Kritik: Wulffs Weckruf an die Gesellschaft in Congress Union Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stolz und Kritik: Wulffs Weckruf an die Gesellschaft in Congress Union Celle
17:47 09.11.2017
Von Carsten Richter
Altbundespräsident Christian Wulff (Zweiter von rechts) wurde in der Congress Union von den Vorstandsmitgliedern des Wirtschaftsclubs Celle Stefan Gratzfeld, Martin Depner und Ingo Schreiber (von links) empfangen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Celle.

Altbundespräsident Christian Wulff nahm als Festredner die rund 100 geladenen Gäste in der Congress Union Celle am Mittwochabend mit auf eine Zeitreise, speziell durch die vergangenen zehn Jahre – und fand gleichzeitig mahnende Worte für die Zukunft. Anlass war die Gründung des Wirtschaftsclubs Celle vor zehn Jahren.

„Wir sind eine starke Gemeinschaft, ein Sprachrohr unserer Mitglieder gegenüber Verwaltung und Politik“, sagte Vorstandsmitglied Stefan Gratzfeld zu Beginn der Veranstaltung. 74 Unternehmen gehören inzwischen dem Forum an. 2007 war es mit der Absicht gegründet worden, den Wirtschaftsraum Celle zu stärken.

Daran knüpfte Wulff an und betonte die wirtschaftliche Stärke Deutschlands. „Wir sind Exportüberschuss-Weltmeister und stehen heute gut da“, so das ehemalige Staatsoberhaupt. Der Wirtschaftsboom habe für eine wachsende Beschäftigung mit derzeit 44 Millionen Erwerbstätigen gesorgt. Ein Ergebnis, das insbesondere auch der Einwanderung zu verdanken sei, sagte Wulff und schlug einen Bogen zur Integrationspolitik. „Der Multikulturalismus ist erfolgsversprechend.“ Zugleich müsse „klare Kante“ gezeigt werden, wer in Deutschland bleiben dürfe. Rechtsfreie Räume dürfe es nicht geben. Schwachpunkte wie der Bau des Berliner Hauptstadtflughafens oder die Dieselaffäre müssten dennoch erkannt werden.

Als problematisch bezeichnete Wulff die Verkehrsinfrastruktur „nordöstlich von Celle“ und hob explizit den noch fehlenden Ausbau der A39 hervor. Das größte Problem des Mittelstandes – und da sprach er die Gäste aus der Celler Wirtschaft an – sei die qualifizierte Nachwuchsgewinnung. „Niemand darf im Ausbildungswesen verloren gehen“, mahnte Wulff und forderte Vereinfachungen beim Berufseinstieg.

Was neben Terror und Hass auch zur Verunsicherung vieler Menschen beitrage, sei die quellenlose Nachrichtenverbreitung, so der Altbundespräsident: Im Rahmen zunehmender Digitalisierung geisterten oftmals anonyme Inhalte und Meinungen durch die Welt. Demgegenüber stehe zum Beispiel eine Cellesche Zeitung, bei der Menschen sich Gedanken um die Gewichtung von Inhalten machten und für diese auch gerade stünden.