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Celle Stadt Storchenboom erreicht den Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Storchenboom erreicht den Landkreis Celle
14:47 02.10.2017
Im Celler Land waren 2017 so viele Storchennester besetzt wie schon lange nicht mehr. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Celle Stadt

So viele Storchenpaare gab es hier zuletzt 1968 und somit vor einem halben Jahrhundert. Die Hauptursache für diese Entwicklung ist der allgemeine Storchenzuwachs in den alten Bundesländern. Immer mehr Störche überwintern bereits in Spanien. Sie kommen von dort in größerer Anzahl früher und in meist guter Verfassung zurück. So steigt die Population.

In diesem Jahr gibt es noch einen weiteren Grund für den erheblichen Zuwachs an Storchenpaaren. 2015 gab es bei den flüggen Jungen ein absolutes Rekordergebnis. Im Alter von zwei Jahren nahmen nun etliche von ihnen erstmals am Brutgeschehen teil. Die Zweijährigen machten dabei fast ein Drittel des Gesamtbestandes aus.

Fünf Neuansiedlungen im Landkreis

Erstmals gebrütet wurde auf den neu errichteten Nisthilfen in Ahnsbeck und Bockelskamp. Neu siedelten sich Paare in Bleckmar nach Besuchsstörchen im Vorjahr und in Langlingen (Schleusenweg) an. Damit gab es in Langlingen nun erstmals zwei Paare. Auch das Nest in Altencelle-Burg war die ganze Saison über besetzt. Immerhin mehrmals Besuch erhielt die erst im Frühjahr aufgestellte Nisthilfe in Stedden.

In lediglich zehn der besetzten 19 Nester im Kreis wurden insgesamt 20 Junge flügge. Das bedeutet 1,05 flügge Junge pro Paar und ist absoluter Minusrekord. Je drei Junge waren es in Altencelle und Großmoor, je zwei in Ahnsbeck, Hohne, Hornbostel, Nienhagen, Winsen und Wolthausen. Je ein Junges flog in Celle/Stadt und in Langlingen aus.

Nur geringe Bruterfolge

Neun weitere Paare blieben letztlich ohne Bruterfolg. Witterungsbedingte Totalverluste gab es dabei in Wienhausen und Jeversen. Gar nicht erst zur Eiablage kam es in Altencelle-Burg, Bannetze, Bleckmar, Hambühren und Langlingen (Schleusenweg). In Oldau und Bockelskamp wurde auf unbefruchteten Eiern gebrütet. Hauptursache war in diesen Fällen, dass mindestens ein Partner noch zu jung und somit nicht vollständig brut­reif war. Kommen diese Störche im nächsten Jahr wieder, sind die Brutaussichten günstiger.

Nachdem die Jungstörche aus Hornbostel, Winsen und Wolthausen ihr Nest verlassen hatten, begaben sie nicht direkt auf die Reise ins Winterquartier. Sie hielten sich im August für gut zwei Wochen zusammen mit Jungstörchen aus Ahnsbeck, Altencelle, Nienhagen und Großmoor zunächst an den überschwemmten Flächen an der Aller bei Altencelle und danach an der Fuhse und Aue bei Nienhagen auf. Zusammen mit älteren Störchen und nichtberingten Jungen von weiter her wuchs die Gruppe bis auf 35 Exemplare an. Am 23. August machten sie sich dann endgültig auf die große Reise. Die Brutstörche der Region aber blieben noch.

Das passierte 2017 in den Storchennestern im Celler Land:

Neue Nisthilfe in Ahnsbeck: Der Plan, eine neue Nisthilfe auf einem Mast anzubieten, ging auf. Erstmals seit 2006 gab es wieder eine erfolgreiche Brut. Zwei Junge wurden vor Ort flügge, ein dritter wurde völlig entkräftet unter dem Nest aufgefunden und in die Pflegestation Leiferde gebracht.

Neues Männchen in Altencelle: Am 14. März geriet das langjährige Männchen in eine Hochspannungsleitung und verstarb. Schon drei Tage danach tauchte ein neuer Interessent auf. Nachdem er anfangs noch abgewiesen wurde, fand das Paar dann doch schnell zusammen. Von den zunächst fünf geschlüpften Jungen wurden drei flügge.

Weibchenwechsel in Altencelle-Burg: Erneut war die ganze Saison über ein Storchenpaar da, wobei nach sechs Tagen ein Weibchenwechsel stattfand. Trotz Nestbau- und Paarungsaktivitäten kam es aber nicht zur Brut.

Keine Brut in Bannetze: Nachdem im Vorjahr das Männchen durch die Kollision mit einer Hochspannungsleitung gestorben war, war diesmal erst Mitte Mai ein Paar komplett. Zu einer Brut kam es nicht mehr.

Storchenkämpfe in Bleckmar: Bereits Anfang April traf das beringte Männchen vom Vorjahr ein. Anfang Mai gab es Storchenkämpfe. Danach war das Nest bis zum Saisonende von zwei unberingten Störchen besetzt, gebrütet wurde nicht.

Kein Bruterfolg in Bockelskamp: Erstmals seit 1966 brüteten in Bockels­kamp wieder Störche. Damit war der Plan aufgegangen, zwischen den beiden benachbarten Brutrevieren Altencelle und Wienhausen noch ein weiteres Paar anzusiedeln. Doch die Eier waren nicht befruchtet. Das erst zweijährige Weibchen stammte aus dem Landkreis Verden.

Verletzter Jungstorch in Celle: Auch in diesem Jahr wurde in der Fritzenwiese der noch nicht voll flugfähige Jungstorch verletzt im Gartengelände unter dem Nest entdeckt. Er wurde in die Pflegestation nach Leiferde gebracht.

Bruterfolg in Großmoor: Die langjährige Störchin kam in diesem Jahr nicht mehr zurück auf das Nest auf der Kirche. Ihren Platz nahm ein erst zweijähriges Weibchen ein, das aus Altencelle stammt. Drei Wochen nach ihrem Eintreffen war dann doch Brutbeginn. Mit dem erfahrenen Partner an ihrer Seite schaffte es die junge Störchin, drei Junge aufzuziehen.

Junges Paar in Hambühren: Der späte Ankunftstermin am 16. Mai in Hambühren lässt darauf schließen, dass es sich wohl um ein noch sehr junges Storchenpaar handelte. Die beiden blieben bis Mitte August, machten aber auch Ausflüge in die Nachbarschaft. Zu einer Brut kam es nicht.

Fremdkörper in Hohne: Wie auch in vergangenen Jahren trugen die Hohner Störche etliche Fremdkörper ins Nest ein. Bei Beringung der drei Jungen wurden Bindegarn, ein Kartoffelsack, ein Einweghandschuh, ein 40 Zentimeter langes Plastikband und ein Stück Hartschaum entfernt. Letztlich flügge wurden zwei Junge.

Erfahrung in Hornbostel: 2007 brütete das jetzige Paar zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung auf dem Schornstein der Bäckerei Segelke. Mit den jetzt zwei erhöht sich die Zahl ihrer flügge gewordenen Jungen auf 25. Das 18-jährige Männchen ist der älteste beringte Storch im Kreis Celle.

Neues Paar in Jeversen: In Jeversen brütete ein neues zweijähriges Paar. Ein Junges wuchs heran, doch den ganztätigen Starkregen am 31. Juni überlebte es nicht. Die verwaisten Eltern blieben bis zum Saisonende.

Vertreibung in Langlingen: Das langjährige Männchen vertrieb auf dem Hof Mylius nach verspäteter Ankunft den neuen Partner der Störchin und warf die schon vorhandenen Eier aus dem Nest. Zwei Wochen später legte das Weibchen erneut. Zwei Junge wuchsen heran, eins wurde flügge.

Nienhagener Jungstörche blieben ungewöhnlich lange: In früheren Jahren verließen die Jungstörche den Ort immer bald nach dem Flüggewerden. Aufgrund guter Nahrungsbedingungen in den überschwemmte Auewiesen südlich von Nienhagen blieben sie bis Ende August. Zuletzt übernachtete aber immer nur ein Junges mit Vater oder Mutter auf dem heimischen Nest, während das zweite mit dem anderen Elternteil nachts auf dem Förderturm stand.

Erneut taube Eier in Oldau: Das letztjährige beringte Weibchen kehrte nicht zurück. Und prompt wurde wieder lange über die Zeit hinaus gebrütet. Junge schlüpften nicht. Unklar bleibt die Ursache.

Besuchsstörche in Stedden: Die im Frühjahr neu aufgestellte Nisthilfe in Stedden wurde mehrfach aufgesucht. Möglicherweise waren dies die Störche von den benachbarten Standorten Hambühren oder Oldau – oder aber über Land ziehende Nichtbrüter.

Kein Paar in Thören: Nach anfänglich zwei Bruten und im Vorjahr immerhin noch einem jungen Nichtbrüterpaar, blieb das Nest in Thören unbesetzt.

Totalverlust in Wienhausen: Im Nest auf dem Kloster in Wienhausen wurde ab dem 10. Mai gefüttert. Am 20. Mai war dann eine Zeitlang kein Altstorch zu sehen – ein sicheres Zeichen dafür, dass die Jungen nicht mehr lebten. Offensichtlich hatten sie die Nässe und Kühle in den Tagen zuvor nicht überlebt.

Paar in Winsen kam wieder: Im Vorjahr hatte sich ein ganz neues Paar im Nest auf dem hohen Schornstein der Schlachterei Kleinschmidt angesiedelt. Die beiden kamen auch diesmal wieder und brüteten mindestens drei Junge aus. Zwei wurden flügge und hielten sich zusammen mit anderen Jungen noch etliche Tage in den überschwemmten Auewiesen bei Nienhagen auf.

Spannende Beringung in Wolthausen: Beringt werden die Jungstörche im Nest im Alter von vier bis sechs Wochen. Normalerweise stellen sie sich dabei tot, so dass die Aktion problemlos in ganz kurzer Zeit durchgeführt wer-den kann. Diesmal aber kam es anders. Die beiden Jungen legten sich nicht wie gewohnt flach hin, sondern standen auf und versuchten wegzurücken. Da mussten die Feuerwehrkameradin und ich im Korb der Drehleiter schon zupacken. Aber wir schafften es dann doch, die Ringe anzulegen.

Bruterfolg in Ummern: Erstmals brüteten im unserem Kreis Celle benachbarten Ummern sogar zwei Paare. In den etwa ein km voneinander entfernten Nestern wurden zwei bzw. drei Junge flügge. In Hahnenhorn traf ein Paar für eine Brut zu spät erst am 1.Juni ein.

Von Hans Jürgen Behrmann