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Celle Stadt Strafe für "Fluchthelfer"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Strafe für "Fluchthelfer"
12:04 14.06.2011
Celle Stadt

WIETZENBRUCH. Was im Mai vergangenen Jahres zunächst als andächtiger Familien-Trauerzug begann, mündete schlagartig in eine rasante Verfolgungsjagd mit der Polizei: Damals war der 32-jährige Angeschuldigte mit seinem polizeilich gesuchten Cousin im Auto auf dem Rückweg von einer Beerdigungsfeier, als auf dem Wietzenbrucher Immenweg im Begegnungsverkehr eine Polizeistreife an ihnen vorüberfuhr.

Trotz seiner Festkleidung wurde der seit drei Jahren gesuchte Cousin auf dem Beifahrersitz von den Beamten wiedererkannt, welche sofort umkehrten und die Verfolgung in Richtung Waldschmiede aufnahmen. „Der Fahrer beschleunigte so stark, dass ihm das Heck ausbrach und er den Wagen gerade noch so halten konnte“, berichtete einer der verfolgenden Beamten anschließend vor dem Celler Amtsrichter. Nach circa 300 Metern sei der gesondert Verfolgte aus dem Fahrzeug gesprungen, über einen 1,80 Meter hohen Zaun geklettert und in einem Haus verschwunden. „Mein Kollege hatte zur Sicherheit schon die Hand an seiner Dienstwaffe“, so der Polizeihauptkommissar im Zeugenstand, „denn der langjährig Gesuchte ist als „bewaffnet“ bekannt.“

Anschließend sei der angeklagte Fluchthelfer aus dem Auto gestiegen und habe sich „auf bedrohliche Weise“ den Beamten in den Weg gestellt. Daraufhin brachen diese die weitere Verfolgung ab. Auch sei plötzlich noch der Bruder des Fluchtfahrers mit seinem Kampfhund aufgetaucht, und habe den Polizisten angedroht, „man würde einander noch privat begegnen“. Der mit mehreren Vollstreckungshaftbefehlen Gesuchte konnte aufgrund seiner Flucht nicht mehr festgenommen werden. Ihm werden gemeinschaftliche Diebstahlsdelikte, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Steuerhinterziehung angelastet. Aber auch der Angeklagte weist ein „stattliches“ Strafregister mit elf Eintragungen auf. So war er in der Vergangenheit unter anderem wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Diebstahl verurteilt worden. Seine zuletzt geleisteten familiären „Hilfsdienste“ zur Flucht kosten den Hartz-IV-Empfänger jetzt 225 Euro.

Von Anke Prause