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Celle Stadt Straßen-„Entnazifizierung“ zieht sich hin
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Straßen-„Entnazifizierung“ zieht sich hin
15:37 06.08.2010
Von Michael Ende
Hörstmann-Straßenschild mit neuen Rathaus Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

CELLE. Helmuth-Hörstmann-Weg 1, 29221 Celle – ob das Neue Rathaus auch nach der Bereinigung der Celler Straßennamen von NS-belasteten Namenspaten noch diese Adresse haben wird? Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende lässt sich auf diese Frage nicht ein – obwohl sie nahe liegt: Immerhin ist es kein Geheimnis, dass Celles ehemaliger OB Hörstmann NSDAP- und SS-Mitglied war. Es gebe noch kein Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen über möglicherweise belastete Celler Persönlichkeiten, nach denen Straßen benannt worden seien, sagt Mende: „Deshalb steht auch noch keine Adresse zur Disposition.“

Ausgelöst durch Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit der beiden ehemaligen Celler Oberbürgermeister Ernst Meyer und Kurt Blanke, nach denen in der Herzogstadt Straßen benannt waren, hatte die Stadt im Mai 2008 beschlossen, die mögliche NS-Vergangenheit von weiteren, im öffentlichen Raum geehrten Personen näher unter die Lupe zu nehmen. Rund 80 Personen erschienen in dieser Hinsicht interessant zu sein. Namen wurden öffentlich nicht genannt. Im Neuen Rathaus wollte man so vor weiteren unangenehmen Überraschungen gefeit sein. Die Straßen, die nach Blanke und Meyer benannt worden waren, erhielten bereits einen neuen Namen. Ursprünglich sollten bereits im Oktober 2008 Ergebnisse vorliegen, doch die Ermittlungen rissen nicht ab.

„Herr Dr. Strebel ist noch dabei, Material aus Polen auszuwerten, auf das er im Verlauf seiner Recherchen gestoßen ist“, sagt der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer auf Nachfrage der CZ. Eigentlich sollte am 11. August das nächste Treffen der Kommission stattfinden, die Entscheidungen vorbereitet, so Fischer: „Jetzt überlegen wir gerade, ob der Termin ohne die aktuelle Expertise von Herrn Strebel Sinn macht. Die Informationen sind wichtig als Grundlage für eine spätere Entscheidung.“ Noch sei Strebel im Rahmen der Vertragsverlängerung. Fischer: „Sicher ist, dass wir für eine zügige und fundierte Klärung sind.“

„Wir werden im August eine letzte Sitzung der Kommission haben und dann mit den Fraktionsvorsitzenden die Ergebnisse vorbesprechen. Dabei werden wir auch das weitere Verfahren erörtern“, sagt Mende. Die Kommission werde einen Vorbericht für einzelne Personen vorlegen, der von einzelnen „Berichterstattern“ vorbereitet werde; „Das gesamte Gremium wird darauf eine Empfehlung aussprechen.“

Diese werde aber keinesfalls den Cellern eine Entscheidung abnehmen, so Mende: „Der Verwaltungsausschuss und der Rat werden diese Entscheidungen zu treffen haben und bekommen lediglich eine Handreichung, um diese schwierige Entscheidung auf einer möglichst unangreifbaren Grundlage zu treffen.“

Folgende Personen sind in der Kommission tätig: Professor Dr. Hans-Ulrich Thamer, Historiker am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Universität Münster, Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen, Dr. Thomas Scharf-Wrede, Direktor des Bistumsarchivs Hildesheim, Professor Dr. Jörn Ipsen, Präsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs, Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Mende, Erste Stadträtin Susanne Schmitt und Susanne McDowell, Fachbereichsleiterin Sport und Kultur.