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Celle Stadt Streichorchester Celle begeistert mit lebhaftem Konzert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streichorchester Celle begeistert mit lebhaftem Konzert
14:28 20.06.2016
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Griegs populäre „Holberg-Suite“ diente den Streichern dabei offensichtlich als Spielball für eine musikalische Verjüngungskur. Das Ensemble aus begabten Musikstudenten und erfahrenen Musikpädagogen schnitt der Suite schon im Präludium die sprichwörtlichen alten Zöpfe ab. Auch im elegischen „Andante religioso“ mit seinen Anleihen aus Johann Sebastian Bachs „Air“ verzichtete man auf die gewohnt vibrierende Sentimentalität. Stattdessen stellten die Interpreten Griegs typische Tonsprache in den Vordergrund, griffen spielfreudig den zierlichen und tänzerischen Stil des späteren Rokoko auf und betonten dabei erfrischend lebhaft und effektvoll den norwegischen Grundstrom musikalischer Substanz.

Als ungemein geistvolle, virtuos-romantische Komposition voller Poesie, Witz und Spritzigkeit erwies sich danach Mendelssohns Konzertstück d-Moll für zwei Klarinetten und Streicher, das er seinerzeit als ausgehandeltes Entgelt für sein Lieblingsgericht (Dampfnudeln und Rahmstrudel) komponiert hatte, wie Knauer vergnügt schilderte. Die begeisternd aufspielenden Solisten Martin Pfister und Fiorella Schikarski überzeugten mit intensivem, aber nie aufgesetzt wirkendem Ausdruck und demonstrierten dabei einen hohen Verschmelzungsgrad der beiden Klarinetten. Ihr koloraturreiches Legato-Spiel unterstrich adäquat die Eleganz und den Charme der Komposition und lockte die Streicher geradezu zum inspirierten virtuosen Flirt heraus.

In Mendelssohns abschließender Streichersinfonie Nr. 8 wurde ein höchst spannendes Spiel mit motivischen Versatzstücken quer durchs tonale Dickicht veranstaltet, das die Interpreten mit viel Sinn für Spannung entfachten. Mit schönem Klangempfinden, behutsam gestalteter Adagio-Einleitung, jugendfrisch zupackender Geste in den Allegro-Passagen und jenem federnden Streicherklang, der diesem jugendlichen Werk so gut ansteht. Aber auch mit einer Transparenz, einem aufgelichteten Klang und einer detailgenauen Artikulation, in der alle rhythmischen Strukturen genauestens hörbar wurden.

Von Reinald Hanke