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Celle Stadt Streifzüge durch die Heilige Nacht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streifzüge durch die Heilige Nacht
21:30 08.12.2013
Chorleiter Egon Ziesmann (vorn rechts) verwöhnte das Publikum in der Celler Pauluskirche beim Weihnachtskonzert des Jungen Chores mit einem facettenreichen Programm. Quelle: Alex Sorokin
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Die mehr als 300 Zuhörer in der voll besetzten Pauluskirche erwarteten mit steigender Spannung das Weihnachtskonzert des Jungen Chores Celle. Schon eine Stunde vor Beginn hatten sich die ersten ihren Platz gesichert. Und das Kommen hatte sich wieder einmal gelohnt. Das Ensemble unter der Leitung von Egon Ziesmann wusste auch in diesem Jahr wieder in besonderer Weise sein Publikum musikalisch zu verwöhnen.

Weit weg von nervendem „Oh du fröhliche“ aus den Lautsprechern von Kaufhäusern und Weihnachtsmarkt erwiesen sich die Choristen im grandios ineinandergreifenden Netzwerk ihrer Stimmen als einfühlsame Textausdeuter und beeindruckende Gestalter polyphonen A-Cappella-Gesangs. Das ist umso bemerkenswerter, weil sich Ziesmann nicht auf klassische Weihnachtslieder beschränkt, was relativ einfach wäre, sondern auch auf unbekannte Klänge setzt, wenn er seine spannenden Streifzüge durch die Weihnachtsmusiken aus anderen Teilen der Welt in sein Programm einbaut.

Die unterschiedlichen Emotionen und Gedanken, die die Menschen rund um den Globus mit dem Weihnachtsfest verbinden, und die vielfachen Facetten, diese in ihren Liedern umzusetzen, fordern ihn und seinen Chor geradezu heraus, diese Klangwelten kennenzulernen und die fremdartigen Klänge einzustudieren. So konnten sie dem Publikum bei diesem Konzert auch mit großem Vergnügen vermitteln, wie in anderen Ländern und Kulturen die Heilige Nacht besungen und Weihnachten gefeiert wird. Da wurde zum Beispiel das südafrikanische „Amezaliwa“, ein in Suaheli verfasster Song über die Geburt Christi, ebenso wie die lateinamerikanische Milonga „Candombe de San Baltasar“ zum rhythmisch fröhlichen und unaufhörlich ansteckende Freude verströmendem Spektakel.

Aber natürlich durften auch die vertrauten Klänge nicht fehlen – auch wenn sich der Junge Chor dabei keineswegs mit „normalen“ Partituren begnügt. Ziesmann findet immer noch ein paar zusätzliche Finessen, um musikalische Klassiker wie „Vom Himmel hoch“, „In dulci jubilo“ oder „Stille Nacht“ noch weihnachtlicher und festlicher klingen zu lassen als sie ohnehin schon sind.

Die Interpreten changierten dabei ohne Bruch zwischen besinnlicher Versunkenheit („Little Drummer Boy“) und fröhlicher Ausgelassenheit (Händels „Joy to the World“) und brachten mit fein dosiertem Temperament jene Gefühlsnuancen zum Ausdruck, die überall auf der Welt genauso mit dem Weihnachtsfest in Verbindung gebracht werden wie Spekulatius, Lebkuchen und Marzipan. Ein Konzert, das gleichermaßen berührte und begeisterte – berauschend lieblich und ausgeglichen sanft, aber bei Bedarf auch kraftvoll. Und herzerwärmend. Etwa wenn die leuchtkräftigen Soprane wie die Morgensonne auf den fundamentalen Bässen emporstiegen.

Von Rolf-Dieter Diehl