Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Streik bei SVO in Celle: "Belastung frustriert Kollegen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streik bei SVO in Celle: "Belastung frustriert Kollegen"
17:13 22.06.2016
Rund 20 der insgesamt 30 SVO-Lehrlinge beteiligen sich am ersten Streik in Unternehmensgeschichte. Sie setzen sich für faire Arbeitsbedingungen ein und fordern die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung ein. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

"Wir müssen da lang, wo Leute sind", ruft Verdi-Mitglied Jürgen Elendt den rund 200 Demonstranten zu und steuert den Celler Wochenmarkt an. Doch im letzten Moment verhindert die Marktleitung einen Zusammenstoß zwischen Streikenden und Marktbesuchern und lotst die Menge um die Stadtkirche herum.

Gestern ist es das erste Mal in der Unternehmensgeschichte der Stromversorgung Osthannover (SVO) vorgekommen, dass die Beschäftigten an den Standorten Celle, Bostel und Uelzen den Aufstand probten. Die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) rief die Arbeitnehmer dazu auf und kündigte Einschränkungen des kaufmännischen und technischen Kundenservices der SVO an. Sprecherin Anne Ruhrmann dazu: "Die Versorgung unserer Kunden mit Strom, Gas und Wasser war auch während des Streiks gewährleistet, ebenso wie die Sicherheit unserer Netze, die für uns höchste Priorität hat."

Verdi-Verhandlungsführerin Melina Wulf ist zufrieden mit der Beteiligung: "Wir haben nur 120 Teilnehmer erwartet, aber die Belegschaft hat verstanden, dass sie sich für ihre Belange einsetzen muss." SVO-Vertrauensmann Lars Benthaus hat in den vergangenen Wochen in Einzelgesprächen viel Überzeugungsarbeit geleistet, dass die Forderungen berechtigt sind: "Wir wollen arbeitsrechtlich dichter an unseren Mutterkonzern Avacon heran. Dort arbeiten die Beschäftigten anderthalb Stunden pro Woche weniger und verdienen 20 Prozent mehr."

Besonders froh ist die Gewerkschaft, dass sich rund 20 der 30 SVO-Auszubildenden einbringen. Helke Weber ist eine von ihnen. Die 19-Jährige ist gerade als angehende Elektronikerin im dritten Lehrjahr und setzt sich für eine unbefristete Übernahme ein: "Unser Arbeitgeber wirbt in der Zeitung damit, aber rechtlich haben wir nichts in der Hand." Außerdem sollen Fahrt- und Wohnkostenzuschüsse in der dualen Ausbildung angepasst werden.

Berenike Mehls arbeitet im Kundenservice und ist Betriebsrätin. Sie bemängelt: "Alle Mitarbeiter müssen zusätzlich zum Tagesgeschäft Projektarbeit leisten. Die extreme Belastung von mindestens 45 Stunden pro Wochen frustriert die Kollegen."

Nachdem die Tarifverhandlungen in der vergangenen Woche zu keiner Einigung führten, werden die Gespräche heute fortgesetzt. "Da es sich um laufende Verhandlungen handelt, werden wir uns zu Details nicht äußern", teilt Sprecherin Ruhrmann mit. "Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Einigung erzielen werden, die für beide Seiten tragbar ist."

Von Dagny Rößler