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Celle Stadt Streik der Busfahrer? - CeBus: „Haben von Plänen durch CZ-Anfrage erfahren"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streik der Busfahrer? - CeBus: „Haben von Plänen durch CZ-Anfrage erfahren"
15:58 08.03.2015
Was CeBus künftig alles anders macht Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

In der Verdi-Pressemitteilung heißt es, die Geschäftsführung des Busunternehmens habe in den bis zum Freitagmittag laufenden Tarifgesprächen lediglich eine Einkommenserhöhung angeboten, „die deutlich hinter der Forderung der Beschäftigten zurückbleibt": „Die Einkommen der Beschäftigten bei CeBus sind über viele Jahre, wenn überhaupt, sehr gering erhöht worden." Außerdem sollten die Einkommen jetzt erst ab April 2015 erhöht werden, obwohl der Tarifvertrag bereits Mitte 2014 ausgelaufen sei. Zudem solle der neue Haustarifvertrag nach den Vorstellungen von CeBus eine Laufzeit bis Ende 2016 und damit von 30 Monaten haben.

Das CeBus-Fahrpersonal befinde sich mit einem Stundenlohn von derzeit maximal 10,33 Euro im Vergleich mit Beschäftigten anderer Verkehrsunternehmen in Niedersachsen am unteren Ende der Einkommensskala, so Hermann Hane, Verdi-Landesfachgruppenleiter Verkehr. Er kündigte an, dass der Zeitpunkt der Streikmaßnahmen jeweils einen Tag vorher bekanntgegeben werde.

„Wir Busfahrer tragen die Verantwortung für bis zu 50 Fahrgäste und arbeiten am Tag und in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen. Dafür erhält ein lediger Fahrer gerade mal ein Nettoeinkommen von rund 1250 Euro“, so die Betriebsratsvorsitzende Susanne Korsch. Viele Kollegen wüssten nicht mehr, wie sie die finanziellen Belastungen abdecken und finanzielle Vorsorge für das Alter treffen könnten.

CeBus-Geschäftsführer Stefan Koschick reagierte überrascht auf die Streikankündigung. Er sagte am Freitagabend, die Gewerkschaft habe die Verhandlungen nicht für gescheitert erklärt, sondern man habe sich ergebnislos vertagt. „Wir haben erst durch die CZ-Anfrage erfahren, dass gestreikt werden soll. Wir haben erwartet, dass die Gewerkschaft nochmals auf uns zukommt. Von Verhandlungen kann man nicht sprechen, denn bereits im ersten Gespräch wurde die Forderung nach der Erhöhung des Stundenlohns um einen Euro pro Stunde erhoben - dabei ist Verdi bis zum Schluss geblieben. Das sind keine Verhandlungen, das ist ein Diktat!“

Koschick weiter: „Wir haben den Mitarbeitern per Aushang mitgeteilt, dass wir trotz dieser Vertagung nicht länger mit einer Lohnerhöhung warten werden." Jeder Fahrer erhalte danach rückwirkend ab 1. März einen einheitlichen Stundenlohn von 11 Euro. Dies entspreche in der Spitze einschließlich Erholungsbeihilfe und Dienstschichtzulage einer Lohnerhöhung von mehr als neun Prozent. „Damit haben wir unsere finanziellen Möglichkeiten dann aber auch ausgeschöpft."

Die Verdi-Behauptung, dass sich das CeBus-Fahrpersonal mit einem Stundenlohn von derzeit maximal 10,33 Euro im Vergleich mit Beschäftigten anderer Verkehrsunternehmen in Niedersachsen am unteren Ende der Einkommensskala befinde, sei "schlichtweg falsch", so Koschick am Samstag. So zahle zum Beispiel im Nachbarkreis ein Unternehmen des Bundes seinen neueingestellten Fahrern eine Vergütung von 9,37 Euro. „Der Grundlohn des Berufskraftfahrers liegt nach dem Tarifvertrag des Arbeitgeberverbandes GVN (Gesamtverband Privatgewerbe Niedersachsen) bei 8,57 Euro. Die freiwilligen Empfehlungen des Verbandes liegen bei 10 Euro“, so Benjamin Sokolovic, Hauptgeschäftsführer des GVN. „Herr Hane möge doch einmal private Verkehrsunternehmen benennen, die 11 Euro als Grundlohn und zusätzlich die manteltarifvertraglichen Bedingungen, wie zum Beispiel die Dienstschichtzulage, zahlen.“

Die CeBus-Geschäftsführung bedauere, so Stefan Koschick, dass es ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen um neue Kunden werbe, zu Beeinträchtigungen kommen wird. „Mit einem Streik riskieren wir nicht nur unseren Neustart am 1. April, sondern verlieren auch das Vertrauen der Celler Bürger. Gerade jetzt, wo wir mit einem verbesserten Angebot, neuen Bussen und besseren Taktungen an den Start gehen wollen“, so Koschick. „Die Geschäftsführung ist bereit, mit dem Angebot weit über das wirtschaftlich Vernünftige hinaus zu gehen, um den Betriebsstart nicht zu gefährden.“ Er hofft, dass es in den nächsten Tagen zu weiteren Tarifverhandlungen kommt und eine Einigung erzielt werden kann.