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Celle Stadt Streit um Celler Straßennamen: "NS-Generäle keine Vorbilder"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streit um Celler Straßennamen: "NS-Generäle keine Vorbilder"
21:11 25.03.2015
Von Gunther Meinrenken
Die Rommelstraße in Klein Hehlen. Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

„Mit Befremden“ nimmt Jens-Christian Wagner die derzeitige Diskussion um die Umbenennung der Rommelstraße und Stülpnagelstraße in Klein Hehlen zur Kenntnis. Der Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten bezieht einen klaren Standpunkt: „NS-Generäle sind keine Vorbilder.“

„Die Ablehnung des Klein Hehlener Ortsrates, die Straßen umzubenennen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Sowohl Carl-Heinrich von Stülpnagel als auch Erwin Rommel waren ohne Zweifel aktive Funktionsträger des NS-Regimes“, befindet Wagner. Auch wenn sich beide 1944 angesichts der nicht mehr abwendbaren Kriegsniederlage von der NS-Führung distanzierten, wie im Fall von Rommel, oder sie sogar aktiv bekämpften, so wie es von Stülpnagel unternahm.

„Wüstenfuchs“ Rommel, so führt Wagner weiter aus, „war als begeisterter Nationalsozialist ein glühender Anhänger Hitlers, der sich vom Regime nicht nur feiern ließ, sondern seinem ‚Führer‘ treu ergeben war“. Er habe sich zwar vom NS-Regime abgewendet, als sich abzeichnete, dass Deutschland den Krieg verlieren würde, habe sich allerdings nicht dazu durchringen können, die Widerständler um Graf Stauffenberg offen zu unterstützen.

Im Falle von von Stülpnagel hätten renommierte Wissenschaftler wie etwa der Freiburger Militärhistoriker Manfred Messerschmidt in aller Deutlichkeit die antisemitische Einstellung General von Stülpnagels herausgearbeitet. „Aus eigenem Antrieb ließ von Stülpnagel im Sommer 1941 antisemitische Progrome in der von der Wehrmacht besetzten Ukraine anzetteln“, so Wagner. Ab 1941 stützte er die Deportation französischer Widerstandskämpfer in deutsche Konzentrationslager. „Hunderte Résistance-Mitglieder starben 1944/45 in Bergen-Belsen“, sagt Wagner, der sich ebenfalls gegen die Herabsetzung des Gutachters Bernhard Strebel wendet, den er seit über 20 Jahren als „akribischen Wissenschaftler und immer ausgewogen urteilenden Kollegen schätze“.

Sowohl Rommel als auch von Stülpnagel hätten den Raub- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Europa aktiv unterstützt. „Weder als Vorbilder noch als Namenspatronen von Straßen sind sie tragbar“, befindet Wagner. Und schon gar nicht in einer Stadt wie Celle, die in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager Bergen-Belsen liegt, in dem über 70.000 Menschen grausam zu Tode kamen.

In wenigen Wochen würden anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung über 100 Überlebende Bergen-Belsens und Hunderte Angehörige aus allen Teilen der Welt die Stadt besuchen. „Was werden sie davon halten, dass der Ortsrat eines an der Straße nach Bergen-Belsen gelegenen Stadtteiles sich mehrheitlich zu den beiden Hitler-Generälen bekennt, denn nichts anderes ist die Weigerung, die Straßen umzubenennen?“, so Wagner.

„Die Haltung der Mehrheit im Ortsrat von Klein Hehlen vermittelt das Gegenteil dessen, was Ziel der Arbeit in der Gedenkstätte Bergen-Belsen ist: ein waches, kritisches Geschichtsbewusstsein zu vermitteln und sich aktiv mit den Ursachen von Täter- und Mittäterschaft im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Von diesem Ziel ist die Mehrheit im Ortsrat von Klein Hehlen offensichtlich weit entfernt“, meint Wagner.