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Celle Stadt Streit um Konsequenzen aus Studie
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streit um Konsequenzen aus Studie
17:21 24.04.2013
Celle Stadt

Welche Lehren lassen sich aus dem Familienatlas 2012 der Prognos AG ziehen? Bei dieser Frage ist die Politik in Stadt und Landkreis Celle sehr unterschiedlicher Auffassung. Landrat Klaus Wiswe hat in einer ausführlichen Stellungnahme erklärt, warum die Studie für das Handeln des Landkreises kaum Konsequenzen hat, weil die Faktoren aus seiner Sicht entweder unglücklich gewählt oder nicht durch den Kreis beeinflussbar sind. Sein Fazit lautet deshalb, dass „wir familienpolitisch insgesamt auf einem guten Weg sind. Diesen Weg sollten wir gemeinsam weiter gehen.”

Unterstützung bekommt er dabei von der CDU, Kritik gibt es von der Opposition und das Unternehmen Prognos hält die Ausführungen von Wiswe für nur bedingt stichhaltig (siehe Artikel unten).

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Torsten Harms, teilt die Meinung von Wiswe und attackiert Celles Oberbürgermeister Dirk Ulrich Mende (SPD), der dem Landkreis mangelnde Aktivität im Bereich Betreuung und Familie vorgeworfen hatte. „Zu keinem Zeitpunkt standen die Gymnasien und Oberschulen mit der Ausstattung besser da als heute, dies ist allein das Verdienst des Kreistages und der Kreisverwaltung”, sagte Harms. Mit den Familienbüros, dem Vier-Generationenpark sowie der Kindergarten- und Krippenfinanzierung seien deutliche Akzente in der Familienpolitik gesetzt worden. Es seien aber auch erhebliche Anstrengungen der Städte und Gemeinden des Kreises erforderlich, so Harms. „Wenn der Oberbürgermeister nun den demografischen Wandel entdeckt, dann muss er nicht quaken, sondern seinen Schlafanzug aus- und den Kampfanzug anziehen. Gerade die Stadt Celle ist mehr und mehr uninteressant für junge Familien und dies nicht nur wegen des Einkaufens.“

Mende wies die Kritik zurück. „Der Sache nützt es überhaupt nichts, wenn Herr Harms sich auf ein Sprachniveau unterhalb der Gürtellinie begibt. Kritische Fragen müssen erlaubt sein, denn nur so entsteht auch der nötige Handlungsdruck”, sagte Mende. Celle habe bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen, der demografischen Entwicklung mit gezielten familien- und bildungspolitischen sowie stadtplanerischen Maßnahmen entgegen zu wirken. Von den Erfahrungen könnten alle profitieren, wenn „wir endlich in einen sachbezogenen Dialog zwischen Stadt und Landkreis eintreten würden. Mein Angebot zur konstruktiven Mitarbeit gilt nach wie vor.“ Eine Einladung zum Treffen der Hauptverwaltungsbeamten habe er dennoch nicht erhalten, obwohl Celle den Löwenanteil der Kreisumlage trage.

Kritik an der Haltung des Landrates kam auch von der Opposition im Kreistag. „Der Familienatlas ist nach dem Armutsbericht in kürzester Zeit schon die zweite Studie, die dem Landkreis Defizite bescheinigt - die Fakten müssen ehrlich auf den Tisch. Leider blockt Landrat Wiswe jedes Mal ab, wenn es darum geht, etwas zu verändern”, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Maximilian Schmidt. Bernd Zobel (Grüne) meinte, dass das bundesweite Ranking „keineswegs die Schlussfolgerung zulässt, der Landkreis Celle befinde sich auf einem guten Weg“. Die Zuordnung zur unprofilierten Region durch Prognos müsse vielmehr Ansporn sein, in den verschiedenen Handlungsfeldern gezielt zu arbeiten, so Zobel.

Tore Harmening

Von Tore Harmening