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Celle Stadt Streitigkeiten durch Missverständnisse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streitigkeiten durch Missverständnisse
11:08 30.09.2013
Celle Stadt

„Im Grunde wollen Eltern und Kinder nicht miteinander streiten. Deshalb ist eine selbst erarbeitete Lösung für beide Seiten interessant – auch wenn das vordergründig nicht so aussieht. Hier müssen sie einander zuhören. Haben einen unparteiischen Dritten, der für das notwendige Gesprächsklima und eine faire Verteilung von Gesprächszeiten ohne Unterbrechungen sorgt“, sagt Werner. Wenn es dem Mediator gelingt, Vorurteile und Aggressionen durch konstruktive Gesprächsführung abzubauen, kommen oft Ursachen und Gründe ans Licht, die vorher noch nie angesprochen und aufgedeckt worden sind.

„Ich bin immer wieder beeindruckt, wie klar Jugendliche ihre Wünsche, Probleme, Gedanken und auch Gefühle doch formulieren können“, sagt Anja Werner. So erfahren Eltern oft von Problemen, die ihre Ursache ganz wo anders haben (Schulängste, Beziehungsprobleme), oder die sie falsch interpretiert hatten. Die Jugendlichen wiederum sehen hinter scheinbarer Machtdemonstration die Sorge und Verunsicherung der Eltern. „Nicht jede Streitsituation beruht auf Missverständnissen, aber doch sehr viele. Wenn es uns gelingt, die Verletzung und Wut herauszunehmen, dann können die beiden Parteien meist eine für beide Seiten vertretbare Lösung aushandeln, die im Alltag funktioniert.“

Landen mediationsfähige Eltern/Kind-Probleme beim Anwalt oder Richter, geht es in der Regel um das Aufenthalts- oder Sorgerecht. „Das ist natürlich ein besonders emotionalisiertes Thema im Rahmen einer Trennung und Scheidung. Deshalb gibt es hier auch extreme Kommunikationsstörungen“, sagt Eva Moll-Vogel, Mediatorin und Richterin am OLG Celle. „Geschickter wäre es oft, vorab eine Familienberatungsstelle aufzusuchen, denn die Mediatoren und Berater dort haben unter anderem ein ganz anderes Zeitfenster um Gespräche anzubieten, effektive Kommunikation zu erarbeiten. Aber auch wir versuchen – schon zum Besten des Kindes – auf eine einvernehmliche Lösung hinzuarbeiten. Da haben wir, im Vergleich zu Mediatoren in der Anwaltschaft, den Vorteil, als Richter schon eher neutral und unparteilich eingeschätzt zu werden. Auf jeden Fall bietet Mediation eine kreative Lösung, die dem Gerechtigkeitsgefühl der Parteien weit besser entspricht als richterliche Festlegungen.“ (dhe)

Von Doris Hennies