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Celle Stadt Streitthema EHEC
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Streitthema EHEC
20:07 08.06.2011
Celle Stadt

Noch streiten die Experten darüber, ob das aggressive EHEC-Bakterium durch Tomaten, Gurken, Sprossen oder ganz andere Lebensmittel verbreitet wird – und schon haben die Politiker die Epidemie als Streitthema entdeckt.

Dabei gehört die Äußerung des russischen Regierungschefs Wladimir Putin, sein Volk werde mit „stinkenden Mörder-Gurken“ aus der EU „vergiftet“, wohl eher ins politische Kabarett. Doch auch in Deutschland gibt es Kritik am Krisenmanagement – insbesondere am neuen Gesundheitsminister Daniel Bahr.

Der kontert geschickt und nennt den Ruf nach einer neuen Zentralbehörde zur Bekämpfung des EHEC-Bakteriums „typisch deutsch“. Denn kein Menschenleben könnte durch eine solche Institution gerettet werden. Und Bahr weiß neben der EU selbst einige SPD-Politiker auf seiner Seite, die die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern als vorbildlich loben.

„Typisch deutsch“ ist auch die panische Angst vor der neuen aggressiven EHEC-Variante. Das Risiko, in Deutschland an den Folgen von Alkohol- und Tabakkonsum zu sterben, ist nach wie vor vieltausendfach höher als die Gefahr durch das Darmbakterium.

Auch beim Thema EHEC geht es um viel Geld. Die europäischen Gemüsebauern beklagen drastische Einkommenseinbußen aufgrund vermeintlich voreiliger Warnungen vor Tomaten und Gurken – und werden vielleicht durch die 210 Millionen Euro aus EU-Mitteln beruhigt. Jetzt fordern auch die Gemüsehändler ihren Anteil. Und der Verband der deutschen Universitätskliniken findet es nicht geschmacklos, zu verlangen, alle EHEC-Fälle müssten außerhalb des vereinbarten Budgets „zum vollen Preis abgerechnet“ werden. So kann man auch auf das Leid schwerkranker und sterbender Patienten reagieren.

Michael Regehly

Von Michael Regehly