Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Stromkonzessionen: Drähte bei Kommunen laufen heiß
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stromkonzessionen: Drähte bei Kommunen laufen heiß
16:28 04.08.2010
Stromkabel im Landkreis Celle Quelle: Tore Harmening
Celle Stadt

Sehr zurückhaltend geben sich derzeit die Chefs in den Celler Rathäusern beim Thema Rekommunalisierung des Stromnetzes. Es finden Gespräche statt, es werde geprüft, man erwäge verschiedenen Optionen, heißt es bewusst vage. Doch hinter den Kulissen laufen die Drähte zwischen den Rathäusern offenbar heiß. Sah es zu Anfang des Jahres noch so aus, als würde die Verlängerung der Lizenzen der SVO eine reine Formsache werden, gibt es jetzt wohl konkrete Überlegungen, die Netze wieder in die Eigenregie zu übernehmen. Zumindest haben die Kommunen laut dem Chef der Hauptverwaltungsbeamten, Lachendorfs Samtgemeindebürgermeister Jörg Warncke, gemeinsam einen Berater engagiert, der sie zu dem Thema informiert.

Die Celler Überlegungen, sich wieder mehr regionalen Einfluss zu sicher, passen in den Zeitgeist. Zumindest sieht das der Verband kommunaler Unternehmen so. Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise zeigten sich die Vorteile der Kommunen und kommunalwirtschaftlichen Unternehmen als wichtige Infrastrukturdienstleister, heißt es in einer Mitteilung des VkU. Kommunale Unternehmen böten langfristig Versorgungssicherheit und stützen gleichzeitig die lokale und regionale Wirtschaft. Das macht die SVO allerdings auch, für die Kommunen stellt sich deshalb wohl zuallererst die Frage, was ihnen und den Bürgern mehr bringt.

Kooperationen: Soll dieses Unterfangen gelingen, müssten die Kommunen auf jeden Fall Kooperationen bilden. „Es gibt eine kritische Masse an Haushalten, die versorgt werden müssen. Sonst kann das nicht wirtschaftlich sein“, sagt Warncke. Lediglich Bergen und die Stadt Celle könnten es wohl im Alleingang machen. In Bergen prüft man die Option auch, zumal es dort schon Stadtwerke gibt, die die lokale Gas- und Wasserversorgung übernehmen. In der Stadt Celle ist das Thema derzeit noch nicht entschieden.

Es muss auch keine 100-prozentige Übernahme des Netzes durch die Kommunen geben. Konkret wird auch über das Modell nachgedacht, sich mit einem Energieversorger wie der SVO zusammenzutun und eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen. So ist es in Bergen. Der dortigen GmbH hält Bergen 51 und die SVO 49 Prozent. Springe hat sich für eine ähnliche Option entschieden, allerdings auf einen anderen Anbieter gesetzt.

Viele prominente Beispiele

In den kommenden Jahren laufen in den meisten deutschen Kommunen die Stromkonzessionen aus. Dabei wurde privaten Unternehmen das Recht eingeräumt, den Netzbetrieb im Auftrag der Kommunen wahrzunehmen. 2009 wurde nach Medienberichten im Bundesanzeiger das Auslaufen von über 700 Konzessionsverträgen angezeigt. Dies ist rechtlich vorgeschrieben. In Celle wird das 2011 der Fall sein. Die hiesigen Kommunen befinden sich mit ihren Überlegungen in bester Gesellschaft. 35 Stadtwerke waren im vergangenen Jahr in Planung oder wurden bereits gegründet.

Dabei gibt es prominente Beispiele. So wurde in Hamburg ein kommunales Energieversorgungsunternehmen gegründet. Hintergrund war eine große Unzufriedenheit mit dem privaten Anbieter. Der damals regierende Hamburger Bürgermeister Ole von Beust bezeichnet es sogar öffentlich als Fehler, die Hamburgischen Elektricitäts-Werke verkauft zu haben.

Die Leipziger ließen es erst gar nicht soweit kommen. Sie setzten in einer Volksabstimmung durch, dass die Stadtwerke nicht in private Hände gelegt werden.

Auch im lokalen Bereich gibt es bereits Vorbilder. Die Stadt Springe hat zusammen mit Energieunternehmen eigenen Stadtwerke gegründet und die bis dahin agierende E.on Avacon rausgeworfen. Dort zieht Bürgermeister Roger Hirsche eine positive Bilanz. Er führt unter anderem neue Arbeitsplätze und Ersparnisse für die Bürger sowie eine Entlastung des Haushaltes an.

Von Tore Harmening