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Celle Stadt Studieren in den eigenen vier Wänden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Studieren in den eigenen vier Wänden
17:13 17.03.2015
Fernunterricht ermöglicht es Berufstätigen, sich von zu Hause aus weiterzubilden. Auch junge Leute aus Celle entscheiden sich bewusst für ein Studium fern von Hörsaal und Campus. Quelle: Forum DistancE-Learning
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In diesem Jahr feiert die Fernuniversität in Hagen ihren 40. Geburtstag, doch nur wenige Menschen können mit ihr etwas in Verbindung bringen. Die Einrichtung in Hagen ist die einzige staatliche Fernuni im deutschsprachigen Raum. Sie bietet Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschlüssen, besondere Weiterbildungsstudien sowie frei wählbare Kurse an. Studenten können Studiengänge aus den Fakultäten Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie Wirtschaftswissenschaft und Rechtswissenschaft wählen.

Doch wie funktioniert ein Fernstudium? Wer sich für diese Form des Studiums entscheidet, muss ein gewisses Maß an Disziplin mitbringen. Zu Beginn des Semesters bekommt man die gewählten Kurse in Papierform, den sogenannten Studienbriefen, nach Hause geschickt und muss diese selbstständig durcharbeiten. Im Online-Studienportal „Moodle“ gibt es Kontakt zu Dozenten und Kommilitonen, die einem bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dort haben Studenten auch die Möglichkeit, Übungsaufgaben zu machen und das Gelernte zu festigen. Alles kann, nichts muss – doch am Ende des Semesters steht mindestens eine Prüfung an, auf die man hinarbeitet.

Clarissa Grygier (25) studiert Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Literatur in Teilzeit und erinnert sich an die Anfänge: „Ich kam zu diesem Studium, weil ich mich neben meinem Ausbildungsberuf weiterbilden wollte“, erklärt Grygier. „Da ich das Studium neben dem Vollzeitjob mache und dort wechselnde Arbeitszeiten habe, wäre allein aus Zeitgründen kein Studium mit Präsenzzeiten möglich gewesen.“

Einen großen Vorteil sehen viele Fernstudenten in der freien Zeiteinteilung: Jeder entscheidet selbst, wann er wie viel bearbeitet. Dadurch ist es auch für berufstätige Studenten wie Clarissa Grygier möglich, einen akademischen Abschluss zu erwerben und das Ganze mit dem Privatleben zu vereinbaren. „Dazu kommt, dass ich ein visueller Lerntyp bin. Daher kommt es mir sehr gelegen, dass ich mit schriftlichen Studienbriefen anstatt mit mündlich vorgetragenen Vorlesungen arbeiten kann“, sagt Grygier. Man müsse sich allerdings stärker zum Lernen auffordern. „Außerdem ist es schade, dass man die Professoren nicht oder kaum kennt. So bin ich manchmal unsicher, was genau von mir erwartet wird, etwa bei Hausarbeiten.“

Auch Sandra Richter aus Bergen studiert in Teilzeit an der Fernuniversität in Hagen. „Ich arbeite Vollzeit und benötige das Geld, daher das Teilzeitstudium.“ Es unterscheide sich schon von einem normalen Präsenzstudium, wo man zuhören und mitschreiben müsse. „Beim Fernstudium hat man alles schon da, muss es aber selbst lesen und sich erarbeiten.“

Viele, die ein Fernstudium in Erwägung ziehen, machen sich Gedanken über ihre sozialen Kontakte, insbesondere mit Kommilitonen. Doch auch das ist mit ein bisschen Organisation gar nicht so schwierig, findet auch Grygier: „Wir haben einen Stammtisch, der sich einmal im Monat trifft. Außerdem gibt es verschiedene Foren und Facebookgruppen, in denen ich aktiv bin und wo gerne Hilfestellung geleistet wird – egal ob es um akute Fragen, Klausurvorbereitung oder einfach nur ums Rauslassen von Emotionen geht.“

Die größten Unterschiede zum Präsenzstudium liegen laut den Studenten besonders im organisatorischen Bereich. Was die Inhalte betrifft, so stufen sie diese als gleich schwer ein. Ein Studienabschluss an der Uni Hagen ist gleichwertig mit dem einer Präsenzuniversität.

Neben den zahlreichen berufstätigen Teilzeitstudenten gibt es auch die Vollzeitstudenten, die sich ausschließlich dem Studium widmen. Hannah Heydecke (22) aus Dohnsen ist eine von ihnen. Sie hatte sich ebenfalls an einigen Präsenzuniversitäten beworben, sich dann aber aus privaten Gründen für die Fernuni entschieden. „Ich sehe ganz klar den Vorteil, dass ich mir das Arbeitspensum und vor allem die Zeit frei einteilen kann“, sagt sie. „Abgesehen von der Selbstdisziplin, die man aufbringen muss, um am Ball zu bleiben, ist es gleich schwer, an einer Präsenzuni zu studieren.“

Von Stefanie Franke