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Celle Stadt Stück „Das Produkt“ auf Celler Turmbühne nimmt Hollywood-Industrie aufs Korn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stück „Das Produkt“ auf Celler Turmbühne nimmt Hollywood-Industrie aufs Korn
17:15 17.01.2017
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Der englische Dramatiker hat es 2005, vier Jahre nach den Anschlägen in New York, geschrieben. „Ich habe das Stück vor sechs Jahren frisch nach der Schauspielschule schon einmal in Köln gespielt“, sagt Meyer, „nach meinem Schauspielstudium 2009 war es mein erstes Stück als professioneller Schauspieler und Teil eines Vorsprechmonologes, den ich für die Schauspielagentur vorbereitet hatte. Danach habe ich das gesamte Stück im Theater im Bauturm parallel zu meinem Engagement in Koblenz ein Jahr lang aufgeführt.“ Es ginge um eine mehr oder weniger überspitzte, makabre Abrechnung mit der Medienlandschaft und der Unterhaltungsindustrie. Sex und Gewalt ließen sich ja bekanntermaßen gut verkaufen.

Als James spielt Meyer in dem Monologstück einen Produzenten, der mit allen Mitteln versucht, die junge Schauspielerin Olivia (eine Statistin in einer stummen Rolle) zu überzeugen, in seinem neuesten Film die Titelrolle zu übernehmen. Eindringlich schildert er ihr die Story von Amy, deren Freund beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen ist. Dennoch verliebt sie sich auf einem Flug von New York nach London in einen Moslem, der auch – wie sich später herausstellt – bei Al-Kaida tätig ist. „Was den Film, den James drehen will, auszeichnet, ist kompletter Sexismus und Rassismus.“ Im Grunde würden damit die gesamte Hollywood-Industrie und der damit verbundene Kommerz satirisch aufs Korn genommen. Der Produzent kennt hinsichtlich der Klischees keine Grenzen mehr. „Wenn man sich als Zuschauer auf den teilweise schwarzen, britischen Humor einlässt, kommt man sehr auf seine Kosten“, sagt Meyer, „weil man sehr viel wiedererkennt von Dingen, die einem ohnehin bekannt sind.“

In Anlehnung an die damals mit dem Regisseur Thomas Ulrich erarbeitete Fassung muss sich Meyer das Stück nicht nur neu erarbeiten, sondern es gleichzeitig auch an die veränderten räumlichen Verhältnisse anpassen. „Aber ich habe ja den Vorteil, das Stück schon mal gespielt zu haben. Dazu kommt, dass ich große Lust habe, dieses Stück zu spielen.“ Und weil der von James geplante Film eigentlich total schlecht ist, seine Begeisterung aber über die Maßen groß, wird es für die Zuschauer auch einiges zu lachen geben.

Von Hartmut Jakubowsky