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Celle Stadt Stück „Die Physiker“ feiert am 13. Januar im Celler Schlosstheater seine Premiere
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stück „Die Physiker“ feiert am 13. Januar im Celler Schlosstheater seine Premiere
16:43 27.12.2016
Gerold Ströher (links) spielt in „Die Physiker“ die Rolle des Wissenschaftlers Johann Wilhelm Möbius. Quelle: Schlosstheater Celle
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Auch für Schmidl ist die Inszenierung dieses Dramas, das man genauso gut unter den Begriffen Tragikomödie oder Groteske und vielleicht sogar als Kriminalstück einordnen könnte, Neuland. „Dürrenmatt habe ich bisher noch nicht inszeniert,“ sagt er. Schon bei seiner Uraufführung im Jahre 1962 wurden „Die Physiker“ zu einem überragenden Erfolg und in der Folgezeit zum meistgespielten Theaterstück im deutschen Sprachraum.

Drei Physiker, von denen zwei in Wahrheit Agenten rivalisierender Geheimdienste sind, geben sich als Geisteskranke aus und leben als Patienten in einer privaten psychiatrischen Klinik. Dadurch hoffen sie, an die kürzlich entdeckte Weltformel ihres Mitpatienten Möbius zu kommen, der damit die Welt und die gesamte Menschheit vernichten könnte. Dabei schrecken sie auch vor Mord nicht zurück. Aber alle Bemühungen, die Formel noch rechtzeitig zu vernichten, sind vergeblich: Die Chefärztin und Besitzerin der Irrenanstalt hat ein starkes Interesse an den Aufzeichnungen. Gibt es eine Möglichkeit, das Streben nach der Weltherrschaft zu verhindern? Die Lösung ist überraschend.

Die Entstehungszeit von Dürrenmatts „Die Physiker“ fiel in die Zeit des Kalten Krieges. Ein Atomkrieg geriet in den Bereich des Möglichen und wurde verschärft durch den Bau der Mauer in Berlin. Dennoch besitzt das Stück noch heute nicht zuletzt auch in Hinsicht auf den Bestand der Demokratie große Aktualität. „Solche Gefahren liegen gar nicht so fern und faszinieren mich,“ sagt Regisseur Schmidl. „Dazu kommt die Frage nach der Verantwortung der Physiker und der Rolle, die sie heute spielen.“

Im Zeichen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz könnten sich die Gefahren durchaus verselbstständigen. „Was denkbar ist, ist auch möglich. Ich bin äußerst skeptisch, ob da die Vernunft etwas ausrichten kann. Die Physiker zur Zeit der Uraufführung hielten sich weitgehend für die Elite der Menschheit und für diejenigen, die den Militärs die Macht geben.“ So gesehen könnten die Erkenntnisse des Abendlandes unbeherrschbar werden und durchaus tödlich sein.

Die Physiker behandelten nicht nur die Probleme der Vergangenheit, sondern allgemeine Menschheitsfragen und hätten im Verhalten der Menschen zur Schöpfung vielleicht sogar eine religiöse Dimension, ergänzt Chefdramaturg Ralph Blase. Die Frage des Ausstiegs aus dieser Entwicklung stelle sich heute gar nicht mehr. Da verginge einem, trotz Dürrenmatts Bezeichnung des Stücks als Komödie dann doch das Lachen, erläutert Schmidl. „Es ist wie Shakespeare oder Molière in sich bereits ein Klassiker,“ sagt er, „ man sollte es nicht als zeitgenössisches Stück betrachten. Es handelt sich um einen Text von hoher Qualität, der nicht an eine bestimmte Zeit gebunden ist.“

Von Hartmut Jakubowsky