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Celle Stadt Stück „Die Vögel“ feiert Premiere auf Turmbühne im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stück „Die Vögel“ feiert Premiere auf Turmbühne im Celler Schlosstheater
15:18 05.05.2014
Sybille Helfenberger (von links), Christian Meyer, Christina Rohde - und Thomas B. Hoffmann (im Hintergrund) sind im Stück - „Die Vögel“ zu sehen, das am kommenden Freitag auf der Turmbühne Premiere feiert. Quelle: Benjamin Westhoff
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Piepmätze drehen plötzlich massenhaft durch, verwüsten ohne ersichtlichen Grund das Land und werden zur tödlichen Gefahr für die Menschen – klingt irgendwie vertraut? Nun, der Horrorfilm-Klassiker „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock nach der Kurzgeschichte von Daphne du Maurier ist weithin bekannt. Wer nun allerdings davon ausgeht, dass Conor McPhersons Theaterfassung mit dem identisch ist, was er einst auf der Kinoleinwand oder im TV gesehen hat, muss umdenken.

Ein Haus auf dem Land. Hierhin haben sich auf der Flucht vor den Vögeln zwei sehr unterschiedliche Menschen gerettet: die Schriftstellerin Diane und Nat, intellektuell weit unterlegen, mit einem Sinn fürs Praktische und offenbar psychisch angeknackst. Die Versuche dieser beiden, die prekäre Situation zu meistern, werden durch das Eindringen der jungen Julia bestimmt nicht erleichtert. Schließlich hat noch ein älterer Mann namens Tierney einen einigermaßen bizarren Auftritt.

Eine höchst klaustrophobische Situation. Wie will Regisseur Evangelos Tzavaras eine entsprechende Atmosphäre schaffen – wird das Publikum zusammen mit den Darstellern in einen Käfig gesperrt? „Im Prinzip ist es schon eine klassische Guckkasten-Bühne“, erteilt Tzavaras gar zu brachialen Raumlösungen eine Absage. „Man schaut von unten in so etwas wie einen Stiegen-Aufbau.“ Die Besucher müssen auch keine Angst haben, von irgendwelchen Flattertieren umschwirrt zu werden: „Das wäre albern. Die Vögel machen sich akustisch bemerkbar, aber auch damit will ich nicht übertreiben. Zwei, drei Mal müssen sich meine Darsteller richtig erschrecken, aber auf laute Effekte kommt es bestimmt nicht in erster Linie an.“

Vielmehr interessiert den Regisseur vor allem das Verhalten von Menschen gleichsam nach der Apokalypse: „Es gibt keine Gesellschaft mehr, Nat“, formuliert es Diane irgendwann im Stücktext beinhart. „Die Meinungen darüber, wie die Menschen in einer solchen Situation reagieren würden, gehen auseinander“, sagt Tzavaras. „Man könnte ja ein Zusammenrücken erwarten, aber vielleicht bricht auch das ,Recht des Stärkeren’ wieder durch. Ich muss sagen, dass ich da eher pessimistisch bin – meiner Meinung nach ist die Menschheit noch nicht alt genug für ein dauerhaftes zivilisiertes Miteinander.“

Das heißt nun nicht, dass im Theaterstück alle Dämme brechen und die Protagonisten mit Keulen übereinander herfallen. Ganz im Gegenteil will der Regisseur die Spannungen vor allem auf subtile Weise deutlich machen: „Da kann viel über die Blicke und auch im Schweigen passieren. Manchmal ist ja gerade das besonders wichtig, was NICHT gesagt wird.“ Mit einem Kuschelweich-Finale, in dem sich alle furchtbar lieb haben, sollte man trotzdem nicht rechnen.

„Wenn die Zuschauer anfangen, über solche Grundsätze des Zusammenlebens nachzudenken, wäre mir das natürlich recht“, resümiert Tzavaras. „Aber sollten sie auch nur mit dem Gefühl nach Hause gehen, sie hätten wirklich spannende 75 Minuten erlebt, würde ich schon das als großen Erfolg werten.“

Von Jörg Worat