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Celle Stadt Stück der großen Emotionen mit Celler Stadtkantorei
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stück der großen Emotionen mit Celler Stadtkantorei
13:38 13.03.2017
Celle Stadt

Warum haben sie ausgerechnet als Einstieg bei der Stadtkantorei dieses Werk gewählt?

Als mir die Sache angetragen wurde, war eigentlich die „Matthäus-Passion“ von Bach geplant. Dieses Stück kann man aber in der kurzen Zeit, die uns blieb, musikalisch nicht gut machen. Gleichzeitig gab es vertragliche Verpflichtungen, die eingehalten werden sollten. Also musste ein Stück gefunden werden, das in der zur Verfügung stehenden Zeit mit den engagierten Musikern umzusetzen sein würde.

Aber es ist doch ein normaler Vorgang, dass Dirigenten mal eben einspringen.

Ja, wenn es darum geht einen Matthäus-Passions-Abend zu retten, dann hätte ich das von jetzt auf gleich auch gemacht, aber so war es ja nicht. Als man mich anfragte, war klar, dass ich im Falle der Übernahme des Projektes auch die ganze Verantwortung tragen würde.

Haben Sie deshalb mit einer Zusage gezögert?

Nein, ich hatte sofort Lust, diesen traditionsreichen Chor zu führen. Aber es mussten verschiedene Aspekte abgewogen und die Umstände geklärt werden. Zunächst ging es mir bei den Proben darum, dem Chor Mut zu machen, Emotionen zu zeigen und diese Gefühle auch in Klang umzusetzen. Dazu braucht es gegenseitiges Vertrauen. Das muss erst einmal wachsen. Wir kannten uns ja zunächst noch gar nicht.

Man darf nicht vergessen, dass in dieser Kantorei teilweise erfahrene Chorsänger sind… Drum mussten wir den Anfang dafür nutzen, einander kennenzulernen. Immer mehr habe ich im Lauf der Zeit gemerkt, wie viel Substanz in diesem Chor schlummert. Es macht sehr viel Freude, diese zu beleben. Das ist eine tolle Arbeit für mich. Langsam gelingt es mir, dieses Potential auch zu nutzen. Ich hoffe, dass es sich auch für die Zuhörer bestätigen wird, dass das Brahms-Requiem in seiner ganzen, von der Liturgie losgelösten Subjektivität und seiner Mischung aus Trauer, Tröstung und Zuversicht ein gutes erstes Stück ist, um dieses „Emotionen-Zeigen“ umzusetzen.

Sie planen also noch weitere Konzerte?

Ja. Auch wenn ich vertretungsweise arbeite, muss zumindest das Jahr 2017 bereits konzipiert sein. Und das Reformations-Jubiläum will ich nutzen, auch bei Bach meine Vorstellungen mit der Kantorei umzusetzen. Wir werden deshalb in nächster Zeit zwei Bach-Kantaten für Gottesdienste einstudieren. Für den Dezember sind drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums geplant.

Wie wollen sie denn eine kontinuierliche Entwicklung in der Stadtkantorei in Zeiten hinbekommen, in denen die Menschen sich nicht mehr langfristig binden wollen und deshalb Projektchöre in aller Munde sind?

Wenn die Menschen merken, wie wichtig es ist, den Probenprozess als Gemeinschaftserlebnis zu erfahren, dann kommen sie auch dauerhaft. Da habe ich beste Erfahrungen. Es wird dann allen klar, dass die Stadtkantorei kein Projektchor sein kann. Meine Vorstellung von Kantoreiarbeit baut auf Kontinuität, auf die Möglichkeit etwas gemeinsam zu entwickeln.

Von Reinald Hanke