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Celle Stadt Swing als Kreislaufmittel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Swing als Kreislaufmittel
17:26 10.06.2012
D‰mmerschoppen Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Marcus Steinbach (Klavier), Jacques Laval (Saxofon), Phillip Fierka (Bass) und Fredy Herder (Schlagzeug) schafften zwischen Evergreens wie „Summertime“ und „Fly Me to the Moon“ eine fast schon meditativ beseelte Atmosphäre, die sich durch ein ausgeprägtes Gespür für die schönen Momente der Nostalgie auszeichnete. Klassiker mit Ohrwurmcharakter von Duke Ellington bis Count Basie, von Luis Bonfi bis Carlos Jobim, dargeboten in lyrischer Leichtigkeit zwischen Midtempo-Jazz und Latingroove, angereichert mit Anleihen aus Bossa und Blues, mal verspielt, mal aufregend, romantisch angehaucht und mit einer ordentlichen Portion Swing („ein bewährtes Kreislaufmittel“, wie Laval lächelnd feststellte) sorgten unter den Zuhörern für eine unbeschwerte Stimmung bei Rotwein und fruchtigen Cocktails. Und für Jazzkeller-Feeling: Kaum ein Fuß, kaum eine Hand blieb still, es wippte und schnippte im Publikum, das zwischen verträumtem Lächeln und unverhohlener Tanzlust hin- und hergerissen schien.

Auf dem sicheren Fundament der Rhythmusgruppe wussten sich Saxofon und Klavier immer wieder lustvoll zu entfalten und ihre Emotionen in mal gesüßte, mal würzig-deftige Klangperlen zu tauchen. Impressionen aus davon schwebenden Klanglandschaften und poetische Akkordfolgen trafen auf lockere Pianoetüden und aufreizende Saxofoneskapaden. Dabei war das Zusammenspiel des Quartetts bei aller Expressivität von einer Unaufdringlichkeit, die ungetrübten Hörgenuss ermöglichte: Unplugged Jazz in einer wohltuend dosierten Lautstärke, bei der niemandem die Ohren wegzufliegen drohten. Eine selten gewordene Klangphilosophie in unserer immer lauter werdenden Welt.

Von Rolf-Dieter Diehl