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Celle Stadt Swing auf höchstem Niveau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Swing auf höchstem Niveau
08:31 16.03.2015
Swing auf höchstem Niveau: Die elf Mitglieder des Pasadena Roof Orchestra erweckt die Musik der 20er und 30er Jahre zu neuem Leben. Das Publikum war vom ersten Moment an begeistert. Quelle: Benjamin Westhoff
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Das britische „Pasadena Roof Orchestra“ erweckt die Swingmusik längst vergangener Jahrzehnte zu neuem Leben und zaubert Bilder in den Kopf. Eigentlich geben die Rhythmen es vor, nicht brav auf den Stühlen zu sitzen wie die 400 Gäste in der Congress Union, sondern zu tanzen. Immerhin war es die Tanzbarkeit des Swing, dieser Stilrichtung des Jazz, die ihn so populär machte. Wenn Sänger Duncan Galloway Titel wie „The Very Thought of You“, „Black Beauty“ oder „Puttin’ on the Ritz“ von Duke Ellington, Irving Berlin und vielen anderen Komponisten ankündigt, geht ein „Ahhhhh …“ durchs Publikum. Als der Name Rudi Schuricke fällt, ist die Reaktion noch ein wenig intensiver. Swing war unter den Nazis verboten, aber die Melodien, die in den Zwanzigern in Deutschland und Österreich entstanden, überdauerten, und so entführt die britische Big Band mit Titeln wie „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ und „Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami“ auch ins vergangene Berlin. Frontman Galloway moderiert in perfektem Deutsch und britisch humorvoll, passt den Bandmitgliedern etwas nicht am Gesagten, verlassen sie schon mal ihre Instrumente und verschwinden hinter der Bühne. Aber einer erbarmt sich immer, kommt zurück, gibt ein Solo und erntet stürmischen Applaus. „Wir sind hier auf Fortbildung“, scherzen Henning Meyer und Silvia und Tjark Stein aus Nienburg. Sie sind selbst Musiker, haben schon als Vorband von Ulrich Tukur gespielt und zeigen sich an diesem Abend beeindruckt vom außergewöhnlich hohen Niveau dieser Big Band: „Eigentlich spielt man Jazz ohne Noten, aber hier hat jeder sein Notenblatt vor sich, und jeder Einzelne spielt ungeheuer frei.“

Als „Eleven Shades of Grey“ hatte ein englischer Kritiker die elf Musiker neulich bezeichnet, erzählt Sänger Galloway. Was auch immer er im Sinn gehabt haben mag, der Celler Auftritt war weder schattenhaft noch grau, sondern einfach nur klasse.

Von Anke Schlicht