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Celle Stadt Ein Winter-Wunderland des Swing
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein Winter-Wunderland des Swing
17:18 16.12.2018
 Das Capital Dance Orchestra aus Berlin sorgte mit „Swinging Christmas“ in der Celler Congress Union für einen beschwingten Abend. Quelle: David Borghoff
Celle

Celle swingt in den dritten Advent, hieß es am Samstagabend in der Congress Union. Bis fast auf den letzten Platz belegt präsentiert sich das Veranstaltungszentrum nur selten. Doch offensichtlich sind die Fans von Glenn Miller und Benny Goodman in der Residenzstadt reich gesät.

„We take you to a winter wonderland“, lautete ein musikalisches Versprechen von der Bühne herunter. Für ein Winter-Wunderland fehlt derzeit noch das watteweiche Weiß von oben, ergänzt man die Wortschöpfung jedoch, war das Motto des Events „Swinging Christmas“ schnell gefunden. Das Capital Dance Orchestra aus Berlin entführte seine tausend Gäste in ein Winter-Wunderland der Musik.

Bereits der Auftakt sorgt für Furore im Foyer: Noch hatte der große Saal seine Türen nicht geöffnet, da wurde sowohl musikalisch als auch tänzerisch geswingt. Lindy Hop und Charleston – dargeboten von den Paaren Lisa und Philipp Spintge sowie Petra Räcker und Sascha Milanvic – stimmten ein auf eine Zeitreise in die 20er bis 40er Jahre, als der Swing das Parkett und die Orchestergräben eroberte. Ein ebenso gelungener wie inhaltlich passender Start in einen beschwingten Abend, war es doch die Tanzbarkeit, die die Stilrichtung des Jazz einst so populär machte. Erzeugt wurde sie von den neu formierten Bigbands, die den Klangwelten ihr unverwechselbares Gepräge verliehen.

Moderator und Bandleader David Canisius hat mit dem Capital Dance Orchestra eine 13-köpfige Formation an seiner Seite, die sich voll und ganz dem temperamentvollen Sound verschrieben hat. Aber damit nicht genug, Canisius hält weitere glamouröse Gäste bereit. Doch bevor er sein Publikum eintauchen lässt in die Welt der Musik, schaut er mit dem Blick des Großstädters auf die Kleinstadt. „Das Schloss und dieser großartige Weihnachtsmarkt“ haben ihn beeindruckt. Und obwohl die swingenden Rhythmen sich eher in modernen, amerikanisch inspirierten Weihnachtslandschaften mit großflächigen Lichtersilhouetten wiederfinden, offeriert der Moderator durchaus auch getragenere, der europäischen Tradition entsprungene Stücke. Mit Simon Marlow und Meta Hüper werden sie von zwei Swing-Virtuosen gesungen, die ihresgleichen suchen. Marlow verkörpert Amerika pur, wechselt zwischen Deutsch und Englisch, tanzt und singt so mitreißend, dass es so manchen Zuhörer wohl von den Stühlen herunterlocken würde, hielte der Saal den Platz dafür bereit. Meta Hüper steigert den Glamour-Faktor in ungeahnte Höhen. In atemberaubend schönen Abendkleidern, die einem Hollywood-Film entlehnt scheinen, bringt sie einen divenhaften Touch auf die Bühne. „Weihnachten ist das Fest der Wünsche, jeden möchte man für seine Liebsten erfüllen“, sagt die Sängerin und verleiht ihrer Christmas-Umschreibung mit dem Song „Roses in December“ musikalisch Ausdruck. Von „Let It Snow“ über „Merry Christmas“ bis zu „Jingle Bells“ sind sämtliche Weihnachtsklassiker vertreten, aber David Canisius hatte zum Auftakt noch mehr versprochen: „Wir wollen Musik von heute im Gewand des Swing präsentieren“, führte er in den Abend ein. Zwischen den überwiegend temperamentvollen Rhythmen wird es besinnlich mit neu interpretierten Popsongs. Simon Marlow präsentiert „Angels“ von Robbie Williams in neuem Gewand und gemeinsam mit Meta Hüper reiht er „Happy“ von Pharrell Williams ein in den weihnachtlichen Kanon.

Wen bisher die Weihnachtsstimmung noch nicht erfasst hatte, den überkam sie an diesem Abend, den swingenden Rhythmen konnten sich selbst ausgewiesene Weihnachtsmuffel nicht entziehen.

Von Anke Schlicht