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Celle Stadt Tafeln im Celler Norden am Limit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tafeln im Celler Norden am Limit
18:05 06.06.2016
Quelle: Udo Genth
Celle Stadt

Insgesamt 400 Familien pro Woche werden in Bergen, Hermannsburg, Eschede und Unterlüß durch 60 Ehrenamtliche betreut. „Besonders in Bergen ist es derzeit schwierig. Dort haben wir einen Aufnahmestopp verhängen und eine Warteliste erstellen müssen“, sagt Schmidt-Falkenberg. 20 Familien stehen dort drauf. 20 Familien, die derzeit anders über die Runden kommen müssen.

Rund ein Drittel der Menschen, die die Tafeln betreuen, sind Flüchtlinge. Sie sind besonders am Ende des vergangenen Jahres vermehrt hinzugekommen. Ohne dass freilich die anderen Gruppen kleiner geworden wären. „Wir haben immer mehr Rentner und Alleinerziehende, die kommen. Über die spricht keiner, aber wir dürfen unsere Menschen nicht vergessen“, sagt Schmidt-Falkenberg. Deshalb versucht sie, alle Gruppen immer zu gleichen Anteilen zu berücksichtigen. Auch in Eschede reichen die Lebensmittel nicht mehr.

In Hermannsburg und Unterlüß, wo wie in Bergen jeweils auch 100 Familien betreut werden, ist die Situation, was die Lebensmittel angeht, nicht so schwierig wie in Bergen. Generell haben die Tafeln im Norden das Problem, dass die Supermärkte immer effizienter werden. Das bedeutet weniger Waren für mehr Hilfsbedürftige. Mit Wünschen ist Schmidt-Falkenberg vorsichtig, denn schließlich „gibt es schon viele, die viel für die Flüchtlinge tun. Schön wäre es aber, wenn Privatleute mit Lebensmittelspenden unterstützen könnten.“ Gerade in Bergen und in Eschede würde das enorm helfen. Es werden zudem dringend Dolmetscher gesucht. „Wir müssen den Menschen verständlich machen, wie das System funktioniert, und wir müssen wissen, wie die Essgewohnheiten sind“, sagt Schmidt-Falkenberg.

Das größte Problem, das die Hermannsburger derzeit haben, sind die Räumlichkeiten. Im Plathnerhaus können die Tafeln die Räume nur zu ausgewählten Zeiten benutzen. Eigentlich würden aber dringend Lagermöglichkeiten benötigt. „Viele Waren könnten wir auch eine Zeit aufbewahren. Außerdem gibt es durch die großen Tafeln in anderen Städten die Möglichkeit, sich auf bestimmte Bestände zu bewerben. Doch solange wir die nicht lagern können, brauchen wir über so etwas gar nicht nachdenken“, sagte Angelika Schmidt-Falkenberg. Derzeit müssten alle Lebensmittel auf einmal ausgegeben werden. So habe man manchmal sehr viel, an anderen Tagen gar nichts. Die Hermannsburger hoffen, dass es da bald eine Lösung gibt. „Es wäre sehr schade, wenn wir in Hermannsburg schließen müssten.“

In der Celler Tafel hat es in der jüngsten Vergangenheit einen kurzfristigen Engpass bei der Belieferung der Außenstellen gegeben. „Das Problem haben wir aber durch Umschichtungen von Lebensmitteln gelöst“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Schwenk.

Er betont, dass kein Unterschied zwischen den Kunden gemacht wird. „Wir müssen das Wort Flüchtlinge da rausbekommen. Die, die zu uns kommen, sind alle bedürftig“. Die Celler Tafeln sichern ihren Nachschub unter anderem mit Hilfe eines guten Drahts zu den Bremer Tafeln. „In dem Großraum sitzen viele Produzenten von Nahrungsmitteln, und wir können uns da teilweise Paletten abholen“, sagt Schwenk. In Celle gebe es auch genügend Lagermöglichkeiten.

Tore Harmening

Von Tore Harmening