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Celle Stadt Tag des Offenen Denkmals gewährt Blick hinter die Kulissen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tag des Offenen Denkmals gewährt Blick hinter die Kulissen
19:05 10.09.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Ursprünglich lehnten es die Freimaurer ab, aktiv Mitglieder zu werden, da ein Beitrittsgesuch aus eigener Motivation heraus erfolgen sollte. "Doch um weiter bestehen zu können, müssen wir uns öffnen", betont Altstuhlmeister Günter Hellmich.

Zum Schicksal des Hauses gehörte es, in über hundert Jahren immer wieder umgebaut und erweitert worden zu sein, um den steigenden Mitgliederzahlen und den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Im Herzen befindet sich der sogenannte Tempel, der seit 1909 das Zentrum für die rituellen Zusammenkünfte ist. Dort ist Platz für bis zu 90 Personen. Vor genau 300 Jahren ist in England die erste Großloge entstanden. Ein wichtiger Teil der Symbole und Werte der Freimaurer stammt aus der Bauhüttenkultur. "Im Tempel wird festgelegt, wie ein Arbeitstag in der Bauhütte aussehen soll. Die Arbeit wird auf die Kolonnen verteilt", erläutert Hellmich. Diese Tradition wird auch bis heute in Celle einmal im Monat weitergeführt. "Bei unseren Ritualen besinnen wir uns darauf, ein guter Mensch zu werden", so Hellmich. "Diese Motivation sprach mit der Zeit nicht nur Bauhandwerker, sondern alle gesellschaftlichen Schichten an."

In den 1970er Jahren sei die Frage, ob auch Frauen Mitglied werden dürfen, ein "brennendes Thema" gewesen, so der Altstuhlmeister. Doch heute machten die Frauen in zwei eigenen Logen in Hannover "ihr eigenes Ding". Zumindest einmal im Jahr zum "Schwesternfest" werden die Ehefrauen der Celler Mitglieder einbezogen. Dann wird im großen Saal und im Gerken-Saal mit bis zu 150 Personen gespeist, getanzt und gefeiert.

Ein Raum im Logenhaus wird nur für den ganz hohen Besuch des Großmeisters genutzt: "Die gute Stube." Dort hängen Gemälde bedeutender Persönlichkeiten der "Meister vom Stuhl des hellleuchtenden Sterns". Die alten Holztüren stammen aus dem Carl-Herold-Haus an der Hannoverschen Straße, das von den Freimaurern vermietet wird.

Denkmalgeschützt ist auch der Treppenaufgang. "Dabei hätten wir gerne einen Treppenlift für unsere älteren Mitglieder", erzählt Hellmich. Neben der Treppe hängen zahlreiche Bijous, die Abzeichen verschiedener Freimaurerlogen. Aber auch Auszüge aus der Geschichte und eine Reihe von Persönlichkeiten, nach denen Straßen in Celle benannt sind. Doch besonders wertvoll ist die Bleiverglasung, die wichtige Symbole der Freimaurer aufgreift: Die Umlaufbahnen der Erde, Hammer und Winkelwaage.

Kerstin Diller und Sabine Kaßebaum gehören zu den ersten Gästen. Übers Wochenende sind sie in Celle und möchten Gebäude besichtigen, "die man sonst nicht zu Gesicht bekommt." Auch Neuceller Markus Pangerl hat sich Orte herausgesucht, die sonst geheim sind.